10.09.2017
Reisewarnung

Der türkische Präsident Erdogan, dessen Trump-Koeffizient nicht von Pappe ist, erließ eine Reisewarnung für Deutschland.

Jetzt meckern die Österreicher, dass sie nicht auch eine kriegen, und deutsche Hoteliers befürchten katastrophale Umsatzeinbußen durch die ausbleibenden türkischen Touristen.

31.05.2017
DÄT120

Am 26.5. ging der 120. Deutsche Ärztetag zu Ende. Das Beschlussprotokoll ist zum Thema Psychotherapie diesmal erstaunlich mager. Im wesentlichen geht es darum, dass man sich "Einfluss nichtärztlicher Berufsgruppen [gemeint sind PP/KJP] auf die ärztliche Weiterbildung" verbittet, dafür aber die "Bundesärztekammer in die Beratungen zur Ausbildung psychologischer Psychotherapeuten einbeziehen" soll.

14.05.2017
Digital

Gunter Dueck ist Mathe-Professor und war Chief Technology Officer bei IBM. Jetzt hält er Business-Vorträge und sein Stil gefällt mir sehr. Von BWL-ern hält er genau so viel wie ich, nämlich nichts. Und wenn ich ihn richtig verstanden habe, findet er auch die meisten Meetings, Brainstorming etc. blöde, weil sie den Fortschritt aufhalten. Hier beginnen sich unsere Ansichten zu trennen, weil ich glaube, dass der Fortschritt aufgehalten bzw. gebremst werden muss, und wenn der Brainstorming-Unfug dazu beiträgt, bin ich dafür. Wir haben nämlich inzwischen keine Zeit mehr, noch etwas zu verstehen weil wir vollauf damit beschäftigt sind, der Fortschritts-Karotte hinterherzurennen, die da vor uns hingehalten wird. In der Physik, beispielsweise, gibt es deshalb seit fast 100 Jahren keine großen Entwürfe mehr. Der gegenwärtige Fortschritt ist nur noch ein technologischer und vor allem ein ökonomischer.

Von der Generation der Digital Natives hält Dueck viel. Ich weiß noch, was Umgekehrte Polnische Notation, ein FIFO stack oder eine von-Neumann-Architektur ist und wie Assembler-Code aussieht. Tablets und Smartphones sind für mich keine Computer, sondern computerisierte Spielzeuge und Kommunikationsgeräte, auf die der Anwender nur noch sehr begrenzten Zugriff hat. Und obwohl es natürlich unter den jungen Digital Natives viele echte Fachleute gibt, werden die meisten zu immer dümmeren Usern erzogen. Ich halte die digitale Verblödung nicht nur, wie Spitzer, aus neuropsychologischen Gründen für verheerend, sondern auch aus kulturellen. Wenn da eine Generation heranwächst, die ihre Nachrichten aus den (a)sozialen Medien wie Facebook und Twitter bezieht, dann spielt es keine Rolle mehr, ob diese Nachrichten ‚objektiv‘ stimmen. Dann kommt es auf den ‚Gefühlswert‘ an. Folgerichtig gibt es inzwischen Programme, die systematisch falsche Nachrichten in diese Medien injizieren. Die Wahrheit wird beliebig.

Ich kann nicht ausschließen, dass meine Bedenken die eines alten Mannes sind, der, wie in jeder Generation, den Eindruck hat, dass die folgende etwas fundamental falsch macht. Und ich bin bereit, auf die Kraft der Evolution zu vertrauen; darauf, dass da am Ende noch etwas Gutes herauskommt. Aber eine leichte Übung ist das im Moment nicht.

14.05.2017
Dream

Der amerikanische Traum ist der Traum, im Lotto zu gewinnen. Nur dass die dazu notwendige Blödheit nicht nur mittwochs und samstags in Erscheinung tritt, sondern das ganze Leben bestimmt. In irgendeinem Video sagte ein zahnloser, heruntergekommener Mann auf die Frage, ob denn der amerikanische Traum für ihn funktioniert habe: „Nein. Aber es hätte sein können.“ Diese Leute gehen dann her und geben psychopathischen Tele-Evangelisten noch ihr letztes Geld, weil die ihnen versprechen, dass sie im Lotto gewinnen werden, wenn sie es tun.

Einerseits ist das der amerikanische Optimismus, der nie aufgibt, imstande ist, ungeheure Projekte zu stemmen, die sich dann auch tatsächlich für einige auszahlen, so wie tatsächlich jede Woche irgend jemand im Lotto gewinnt. Andererseits ist es eine Tragödie.

07.05.2017
Fakten

BWL-er haben ihre eigene Psychologie, ihre eigene Physik und ihre eigene Mathe. Das passt gut in eine Zeit, in der der Begriff 'Faktum' wörtlich genommen wird: 'das Gemachte'. Fakt ist nicht, was ist, sondern was draus gemacht wird. Fakt ist also folgendes:

  • Der rote Bereich auf dem Drehzahlmesser ist die Normbetriebszone.
  • Multitasking ist viel effizienter als 'eins nach dem andern'.
  • Bei einem Brainstorming kommen gute Ideen heraus. Langes Nachdenken schadet und kostet Geld.
  • Überlastung ist ein Zeichen von schlechter Motivation. Die Lösung lautet: Tschaka.
  • Ressourcen sind unendlich.
  • Deshalb ist Wachstum grundsätzlich in Prozent anzugeben, also exponentiell.
  • Es geht ums Gewinnen.
  • Universelle wissenschaftliche Maßeinheit ist der Dollar. Alles andere sind Hilfsgrößen.
05.04.2017
LGBT

Soeben erfinde ich folgende Zuschrift an eine x-beliebige Zeitung:

Ich bin Deutscher mit nigerianischen Wurzeln, Gaia-gläubig, TransGender, vegan, und ich möchte, dass all diesen wesentlichen Merkmalen in der Sprache Rechnung getragen wird! Es geht einfach nicht, es bei der sprachlichen Differenzierung des Geschlechts als Mann oder Frau zu belassen. Die Vielfalt menschlicher Erscheinungen kann so nicht abgebildet werden und ich fühle mich durch absolut keinen der Texte, die ich jemals gelesen habe, angesprochen und repräsentiert. Nicht nur Frauen werden unterdrückt und haben ein Recht auf angemessene sprachliche Würdigung!!

Das hat jetzt gut getan. Wahnsinn entspannt manchmal.

30.03.2017
Gründe

Zum 1.4.2017 werden die Psychotherapie-Richtlinien geändert. Es gibt dann obligate Sprechstundentermine, also warten die Patienten erst nach diesem Termin auf einen Therapieplatz. Es wird auch feste Telefonzeiten geben, wo ich erläutere, dass ich noch weniger Therapieplätze habe, weil ich stattdessen zu festen Telefonzeiten erläutere...

All das und noch viel mehr, hat, so versichert man uns, "Tragende Gründe".

"Tragende Gründe". Erhaben ist das. Bedeutungsschwer. "Ethos-petetos" nannte Karl Kraus sowas.

Genauer besehen sind die Tragenden Gründe Latrinenbalken. Darunter tun sich die Abgründe auf, in denen Patienten und Therapeuten vor sich hin wirtschaften. Ab und zu kommt was von oben. Es ist aber kein Geld — an der katastrophalen Lage der psychotherapeutischen Honorierung im Vergleich zur übrigen Ärzteschaft hat sich nix geändert. Wird es auch nicht. Gerade gestern gab's den Beschluss zur Vergütung der neuen Positionen.

Vielmehr werden die betriebswirtschaftlichen Verhältnisse, welche die Patienten so krank machen, dass sie in Scharen um Therapie nachsuchen, im Rahmen des Möglichen und seit langem auch an uns Therapeuten durchexerziert. Damit wir gefälligst ein Einfühlungsvermögen haben. Und punktgenaue Interventionen anbieten können: "Also, ich tät' Ihnen raten, dass Sie den Kopf nicht hängen lassen, wenn Ihnen die Scheiße bis ans Kinn steht."

18.03.2017
Begriffe

"Mörder" sollte man sagen, anstatt "Terrorist". Ich habe schon Eltern gehört, die ihre Kinder scherzhaft 'kleine Terroristen' genannt haben. Sie würden wahrscheinlich nicht 'kleine Mörder' sagen. Das Wort "Terrorist" ist ein Allerweltswort, das Wort "Mörder" nicht.

Absatz 2 des §211 StGB lautet:

"Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet."

Wenn da also einer hergeht und aus religiösen Motiven Leute umbringt, dann ist er ein Mörder und ich halte es für einen Fortschritt, dass auch die deutschen Gerichte diese religiösen Motive inzwischen zu den niedrigen Beweggründen zählen.

Desgleichen: "Asozial" ist, wer durch sein ökonomisches oder politisches Handeln zur Befriedigung seiner Machtgelüste, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen ermöglicht und es zu verantworten hat, dass Leute mit einem Vollzeit-Job ihre Familien nicht ernähren können.

11.01.2017
Denkfehler

Ein fundamentaler, durch die Globalisierung erdumspannender und in seinen Auswirkungen verheerender Denkfehler hat um sich gegriffen. Es geht um die Verwechslung des Kleinen mit dem Großen, des Teils mit dem Ganzen. Logisch und physikalisch betrachtet, können wir eine Art Systemhierarchie erstellen, in der das Ökosystem, also die Natur und unsere Lebenswelt, an oberster Stelle steht. Darin ist als ein Teilsystem die menschliche Gesellschaft in ihren verschiedenen Ausprägungen enthalten. Das Überleben der Menschen ist abhängig von Funktionen des sie enthaltenden Ökosystems. Eine Teilmenge der Gesellschaft wiederum ist ihr ökonomisches System, das von der Existenz und dem Funktionieren dieser Gesellschaft abhängt — und damit selbstverständlich auch vom umfassenden Ökosystem.

Seit der Neuzeit hat unsere 'Beherrschung' der Natur im griechisch-christlich-jüdischen Einflussbereich gewaltige Fortschritte gemacht. Damit begann sich diese Hierarchie umzudrehen und wir sahen in der Natur mehr und mehr ein uns untergeordnetes System ('Machet euch die Erde untertan'). In den letzten hundert Jahren gewann dann die Ökonomie — hauptsächlich in Form einer immer weiter beschleunigten kapitalistischen Produktionsform, der Finanzindustrie und der sogenannten 'Märkte' — dermaßen an Einfluss, dass sie sich an die Spitze der Hierarchie stellte und sich Gesellschaft und Natur sozusagen einverleibte. Das Funktionieren unserer Gesellschaft und der Lebensumwelt wird nun von ökonomischen Faktoren bestimmt, die diese übergeordneten Systeme in ihren Dienst zu nehmen bestrebt sind oder sie überhaupt nicht mehr im Blick haben. Durch die Globalisierung der Wirtschaftsbeziehungen und durch die weltumspannenden elektronischen Medien findet dieser Prozess so gut wie überall statt und seine Wirkungen sind nicht mehr auf einzelne Länder oder Gebiete beschränkt, so dass die nicht 'befallenen' Gebiete, wenn der Prozess schiefgeht — und das wird er mit Sicherheit —, von den Folgen ausgenommen bleiben und überleben. Die ökologische Katastrophe, die vor dreihundert Jahren zum völligen Zerfall der Kultur auf der Osterinsel (Rapa Nui) führte, ließ die übrige Welt unberührt. Heute würde wahrscheinlich nur noch die Osterinsel unberührt bleiben, weil es da niemanden mehr gibt.

Ein Indiz für die Kraft dieses Denkfehlers ist der gut gemeinte und dennoch von ihm völlig durchdrungene Begriff des Naturschutzes. Früher war 'draußen' die Wildnis, die unberechenbare Natur, und 'drinnen' der gegen die äußeren Einflüsse umzäunte Kral, das bewehrte Dorf. Heute ist die Wildnis selbst in Reservate eingehegt und wird vor dem Treiben des Menschen geschützt. Was einmal das 'Draußen' war, dem wir unterlagen, ist zu einem 'Drinnen' geworden, das uns unterliegt.
Diese Art von Naturschutz rekapituliert den Denkfehler. Die Natur hat nämlich von ihrer Größe nicht das geringste eingebüßt. Sie ist ohne die Dinosaurier zurechtgekommen, ohne die 95% aller Arten, die während des Massensterbens gegen Ende des Perm zugrunde gingen, und sie wird auch sehr gut ohne uns zurecht kommen. Naturschutz, in diesem Sinne, ist ein vollkommener Unsinn; was wir eigentlich mit solchen, in ihren Einzelheiten fast kindischen Mitteln zu schützen versuchen, sind unsere eigenen Lebensbedingungen als Spezies, die wir selbst — und das ist die eigentliche Geistesverwirrung — einem der ihr untergeordneten Systeme, nämlich der Ökonomie, zu opfern bereit sind.

Die Stabilität des Denkfehlers konnte Anfang 2017 auch in der Weise getestet werden, dass man die barmherzigen Schleier, die diebszüglich noch über den bisherigen Regierungshäuptern der USA lagen, nun fallen ließ und einen — mindestens im obigen Sinne — offen und für alle erkennbar Verrückten zum Präsidenten machte. Die Umnachtung hat dermaßen um sich gegriffen, dass man in der Tat auf die sie verhüllenden Schleier verzichten kann. Man bekämpft den "Sumpf der Korruption" im politischen "Establishment", indem man die Milliardäre gleich selber zu Ministern macht. Die braucht man dann nicht mehr zu bestechen. Kinderschänder leiten aufgrund ihrer pädophilen Qualifikation Tagesstätten und Waisenhäuser. Messerstecher firmieren als Chirurgen.

Aber wir merken's nicht so recht, denn der Denkfehler schützt sich durch eine Art Immunität, die im gesellschaftlichen Vordringen des Post-Faktischen besteht, ein Begriff, der sowohl im Englischen ('post-truth') wie auch im Deutschen zum Wort des Jahres 2016 gekürt wurde. Glauben wir überhaupt noch, dass es eine reale, nicht-virtuelle Welt gibt? Oder dass sie, wenn es sie gibt, einen nennenswerten Einfluss auf unser Leben hat?

 

Ein Teil dieses Textes wurde übernommen von
http://psyon.de/garten/oekologie.html

27.12.2016
Passwörter

Das weltweit meistgebrauchte Passwort ist laut einem Bericht bei Heise immer noch "123456". Für .de-Domains sieht die Rangfolge der häufigsten 10 Passwörter so aus:

  1. hallo
  2. passwort
  3. hallo123
  4. schalke04
  5. passwort1
  6. qwertz
  7. arschloch
  8. schatz
  9. hallo1
  10. ficken

Was denn? Passwörter musste dir gut merken können. Das iss die Hauptsache. Nützt ja nun auch nix, wenn du in dein eigenen Computer nicht mehr reinkommst, weil du schon wieder das doofe Passwort vergessen hast.

09.11.2016
Wa(h)lpurgisnacht

Mir fällt zu Trump nichts ein.

 

http://trumptwitterarchive.com

02.07.2016
Wahrnehmungsbiologie

In einem "Profil des Facharztes für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie" schreibt der zugehörige Berufsverband BPM:

Die Verhaltenstherapie, aus der Lerntheorie kommend, konzentrierte sich in ihren Anfängen überwiegend auf Verhaltenskorrekturen durch Umlernen pathologischer Bewältigungsstrategien und erwarb sich in diesem Bereich einen großen Fundus an Erfahrungen.
Nach einem Paradigmenwechsel ist sie jetzt auch mit Fragen der Kognition und der Affekt- und Beziehungsdynamik befasst. Die Nähe zu Humanethologie und Wahrnehmungsbiologie erleichtert die Integration in den medizinisch-psychologischen Kontext von Wahrnehmung und Bewusstsein.

"Humanethologie und Wahrnehmungsbiologie". Die würden eher in einen Pferdeapfel beißen als "Psychologie" zu schreiben. Psychologie kommt nur "medizinisch-psychologisch" vor. Wie verzweifelt muss man eigentlich sein, um so was zu Papier zu bringen?

24.06.2016
Brexit

"Das geschieht euch recht!" sagten die Briten und hackten sich die Beine ab.

31.05.2016
Unterschriften

Die Delegierten des 119. Deutschen Ärztetags machen sich Sorgen wegen der ökonomischen Einflüsse auf die Medizin, nehmen zur Kenntnis, dass inzwischen 97% der leitenden Ärzte Verträge mit finanziellen Anreizen (incentives) unterschreiben und beschließen einstimmig:

Betriebswirtschaftliche Parameter [dürfen nicht] individuelle und institutionelle Ziele ärztlichen Handelns definieren, ohne dass es eine medizinische Begründung gibt, die sich am Patientenwohl orientiert.

Ihr seid sooo süß! Ich könnt' euch knuddeln!

03.02.2016
Razzia

Die Berliner Staatsanwaltschft ermittelt gegen die Kassenärztliche Bundesvereinigung wegen "Untreue in Millionenhöhe" und ließ deren Räume durchsuchen.

Nein, mit den Psychotherapeutenhonoraren hat es nichts zu tun. Es gibt da wohl noch andere Sauereien.

16.12.2015
Ordnungspolitik

In einer Pressemitteilung vom 20.8.15 schreibt der Bundesverband Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (BDPM):

Der BDPM als zuständiger ärztlicher Bundesverband tritt federführend für den Erhalt der ordnungspolitischen ärztlichen Zuständigkeiten ein und positioniert sich entschieden gegen eine rückwärtsgerichtete Aufspaltung von Seele und Körper durch die Schaffung eines neuen Heilberufs. [...]

[...] die Schaffung eines neuen Heilberufes, eines direktausgebildeten und approbierten „Psychotherapeuten“ ohne wirkliche psychotherapeutische Befähigung - aber mit der Ausstattung ärztlicher Aufgaben ohne Medizinstudium - ist ein ordnungspolitscher Unsinn ersten Ranges.

Besonders im Lichte des Umstandes, dass es einen neuen Heilberuf seit 1999 schon gibt, ist das "rückwärtsgerichtet" ein ausbaufähiges ordnungs­politisches Konzept:

Die Schaffung eines neuen Heilberufes, eines direktausgebildeten und approbierten „Zahnarztes“ ohne wirkliche zahnmedizinische Befähigung - aber mit der Ausstattung ärztlicher Aufgaben ohne Humanmedizinstudium - ist ein ordnungspolitscher Unsinn ersten Ranges.

Der BDXY als zuständiger ärztlicher Bundesverband tritt federführend für den Erhalt der ordnungspolitischen ärztlichen Zuständigkeiten ein und positioniert sich entschieden gegen eine rückwärtsgerichtete Aufspaltung von Zähnen und Körper durch die Schaffung eines neuen Heilberufs.

09.12.2015
Hirntod

Deutschland schickt Soldaten gegen den IS, der Menschen köpft und steinigt. Und Waffen nach Saudi-Arabien, das Menschen köpft und steinigt.

Mit global vereinten Kräften sägen wir an dem Ast, auf dem wir alle sitzen. Beim Klimagipfel sagen die Chinesen und die Inder, sie hätten ja mit dem Sägen erst so richtig angefangen und also noch einiges aufzuholen. Die Amerikaner sind der Ansicht, der ganze Ast gehöre sowieso ihnen und sie würden sägen, wie es ihnen passt. Die Deutschen betonen, sie sägten seit längerem deutlich weniger, aber ein bisschen mitsägen müsse man ja schon.

Ein offensichtlich Geistesgestörter bewirbt sich um die republikanische Präsidentschaftskandidatur der Astbesitzer. Und liegt auf dem ersten Platz.

27.11.2015
Unterstützung

Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie meinen sich selbst, wenn sie von 'Psychiatern und Psychotherapeuten' sprechen. Z.B. hier: "Wir werden nicht mehr Psychiater und Psychotherapeuten ins System bekommen".

Wahrscheinlich verstehen auch nur sie selbst, dass sie sich selbst meinen. Alle anderen verstehen "Psychiater und Psychologische Psychotherapeuten."
Wir danken für die Unterstützung.

04.10.2015
Honorarbetrug

Was die Funktionäre der gesetzlichen Krankenkassen — ohne jede effektive Gegensteuerung durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) — seit vielen Jahren mit den Psychotherapeuten veranstalten, ist schlicht und ergreifend Honorarbetrug. Psychotherapeuten, denen wissenschaftliche Untersuchungen und sogar die Kassen selbst hohe Effektivität und eine unersetzbare Rolle im Gesundheitswesen bescheinigen, werden in einer kaum zu fassenden Art und Weise über den Tisch gezogen und man fragt sich, wie so etwas in unserem Rechtsstaat möglich ist.

Weshalb?
Das Bundessozialgericht (BSG) hat den Krankenkassen und der KBV wiederholt (1999, 2004 und 2008) auferlegt, für eine angemessene Vergütung der Psychotherapeuten zu sorgen, also eine vollausgelastete psychotherapeutische Praxis wenigstens mit einer mittelmäßig ausgelasteten Facharztpraxis gleichzustellen und damit der seit zwei Jahrzehnten zunehmend auseinanderklaffenden Einkommensschere gegenzusteuern.

Der dafür zuständige Bewertungsausschuss, an dem Kassen und KBV beteiligt sind, ließ den dafür vorgegebenen Termin (30.6.2014) erst einmal ausgiebig verstreichen. Als die Aufgabe aber dadurch nicht verschwand, machte man sich auf die Socken und 'löste' sie durch einen Beschluss des (mit Kassen- und KV-Vertretern besetzten) Bewertungsausschusses vom 22.9.2015:

Die (somatischen) Ärzte bekommen nächstes Jahr 3,8% (sic!) mehr Honorar; die Psychotherapeuten 2,7% (sic!).

Damit sich durch diese verwegene Maßnahme die Schere nicht allzu schnell schließt, kündigte die KV-BW ihren psychotherapeutischen Mitgliedern an, viele nicht-genehmigungspflichtige Leistungen — Tests, biographische Anamnese und vor allem die psychotherapeutischen Gespräche zur Nachsorge — nicht mehr, wie bisher, mit einem Mindestbetrag von 80% des normalen Honorars sondern mit einem deutlich niedrigeren Honorar zu vergüten, das sich nach der Anzahl der abgerechneten Leistungen richtet und nicht vorhersagbar ist.

Die 2,7% gelten rückwirkend ab 2012. Aber nur für diejenigen, die bei jeder Honorarabrechnung Widerspruch eingelegt haben. Seit über 15 Jahren muss einer psychotherapeutischen Honorar­abrechnung grundsätzlich widersprochen werden, sonst kriegt man keine Nachzahlungen. Psychotherapeuten sind also gezwungen, jedes einzelne Mal durch einen Widerspruch auf die völlig ungerührt weitergeführte Unrechtmäßigkeit der Honorarabrechnung hinzuweisen.

In die jetzige Erhöhung eingerechnet ist ein "Strukturzuschlag", den nur bekommt, wer mehr als 774 genehmigte Therapiestunden im Jahr abrechnet. Damit soll eine Halbtagskraft fürs Büro angestellt werden können. In Wirklichkeit umgeht man damit aber die Vorschrift des BSG, alle Psychotherapeuten ausreichend zu bezahlen. Hinzu kommt noch, dass — wieder gegen die Auflage des BSG — zur Berechnung der Erhöhung die veralteten Vergleichs­zahlen von 2007 zugrundegelegt und die gut verdienenden Facharztgruppen der Augenärzte und Orthopäden aus der für die Berechnung maßgebenden Facharzt-Vergleichsgruppe einfach entfernt wurden. Dadurch und durch ein kompliziertes Herabrechnungsverfahren bleibt dieser Zuschlag — der in geradezu hinterhältiger Verlogenheit mit dem rechnerisch völlig unerreichbaren Wert von 14,30 Euro verkündet wird — für die allermeisten Psychotherapeuten unerheblich. Zudem ist ein enormer Verwaltungsaufwand bei den KV-en erforderlich, weil die Honorare für jede Praxis einzeln berechnet werden müssen.

Hausärzte und Psychotherapeuten haben eine Bindung zu ihren Patienten, weil sie sie über längere Zeit regelmäßig sehen und sich für ihre Lebensumstände, Sorgen und persönlichen Probleme interessieren. Somatische Fachärzte und Krankenhausärzte dagegen sind eine Art Bio-Ingenieure, die einen technisch hochqualifizierten Job bei der Behandlung einzelner Organe und Organsysteme machen, aber in aller Regel eine solche Bindung nicht haben.

Bemerkenswert ist, dass die niedergelassenen somatischen Fachärzte die Spitzenverdiener im System sind. Es zeigt die Schwerpunktsetzung: Bindung wird nicht honoriert.

Vielmehr vermute ich, dass bei den Honorarverhandlungen die Bindung gegen die Psychotherapeuten eingesetzt wird: "Die werden ihre Patienten schon versorgen, auch wenn wir ihnen wenig bezahlen. Die können gar nicht anders". Stimmt! Und es macht diesen Honorarbetrug um so viel schlimmer, um so viel zynischer und um so viel erbärmlicher.

01.07.2015

Gender

Deutsche Hochschulen sind wohl doch tiefgründiger angelegt, als ich dachte. Meine Vermutung, dass unterhalb des Niveaus von BWL-Professoren nichts mehr kommt, stellt sich als falsch heraus: es gibt Gender-Professuren. Einige dieser Leerkräfte scheinen der Ansicht zu sein, für eine wissenschaftliche Arbeit reiche es nicht aus, wissenschaftlich zu sein, sondern sie muss auch "gendergerechte Sprache" verwenden, sonst gibt's Punktabzug.

Hier geht es also nicht um Wissenschaft, sondern zunächst einmal um eine Anordnung von Newspeak, von der ich nicht glaube, dass sie mit dem selbstverständlichen Ziel der Gleichberechtigung von Mann und Frau noch etwas zu tun hat, sondern die Sprache unter dem Vorwand, sie sei lediglich ein beliebig manipulierbares soziales Konstrukt, der literarischen Unbrauchbarkeit überantwortet.

Die Gleichstellung wird auf die Ebene der Sprachregelungen verschoben, so als könnte man eine Mauer dadurch entfernen, dass man sie auf dem Bauplan ausradiert. Außerdem wird das, was eigentlich zusammengehören und eben gleichgestellt werden soll, erst einmal antagonistisch einzementiert. Dialektischer Sexismus; die intendierte Synthese: es is eh alles gleich.
(Ach ja, Jim Knopf sollte ja auch kein 'Neger' mehr sein, weil nämlich, so die Gender-Denke, auch der Rassismus in der Sprache und nicht in uns selbst ist und von einem Ausdruck wie 'stark pigmentiert' endgültig besiegt werden wird.)

Vielleicht — horribile dictu — wollen ja auch nur böse Männer ihre Mauer behalten und haben den teuflischen Plan ausgeheckt, an Hochschulen Radierprofessuren einzurichten.


Copyright © Hans Metsch