15.05.2015

Genitiv

In Bremen findet man, das Lernen von der deutschen Sprache ist zu schwer. Deshalb hat man die "leichte Sprache" erfunden. Und gleich Regeln dafür gemacht. Hier sind ein paar von den Regeln:

• Vermeiden Sie den Genitiv. Schlecht: Das Haus des Lehrers. Gut: Das Haus von dem Lehrer.
• Vermeiden Sie den Konjunktiv. Schlecht: Morgen könnte es regnen. Gut: Morgen regnet es vielleicht.
• Vermeiden Sie alte Jahreszahlen. Schlecht: 1867. Gut: Vor langer Zeit. Oder: vor mehr als 100 Jahren.
• Vermeiden Sie hohe Zahlen. Schlecht: 14795 Menschen. Gut: Viele Menschen.
• Vermeiden Sie Fragen im Text. Manche Menschen fühlen sich dadurch belehrt.

Das könntet ihr, liebe Bremer, vielleicht auch in eurer gymnasialen Oberstufe einführen. Wann war der erste punische Krieg?  Vor mehr als 100 Jahren. Wie lautet die Zahl von dem Avogadro?  Viel.  Etwas genauer?  Total voll viel.

Nein, geht doch nicht. Man soll ja nix fragen. Wegen der Belehrung.

 

Es ist im übrigen ein alter Hut. Wir hatten sie schon einmal, die leichte Sprache. Manche werden sich noch erinnern: "He, Giovanni, komme du her! Du mache Arbeit! Du nix meckere! Sonst ich schmeiß dich raus!"

Irgendwann kamen die meisten darauf, dass so etwas nicht nur inhaltlich, sondern auch formal diskriminierend ist. Ich bin gespannt, wie lange das jetzt bei der 'neuen leichten Sprache' wieder dauert (die ich auch Lernbehinderten gegenüber ausgrenzend und eben nicht inkludierend finde, weil sie — dysgrammatisch — weit über eine nur stilistische Vereinfachung hinausgeht und daher durch die verkrampfte Betonung der Inklusion die Exklusion erst so richtig deutlich macht).

Die Türken haben vorsorgend mitgeholfen und selber etwas entwickelt, was man in Bremen ja auch mal ausprobieren könnte. "Is krass korrekt. Guckst du, ob du brauchen kannst, Alda."

15.05.2015

Rechtsabteilung

Ein Filialleiter der Landesbank Baden-Württemberg gibt Auskunft auf die Frage, ob die Bank bei dem in Rede stehenden Sachverhalt den Kunden nicht vor möglichen Nachteilen hätte warnen müssen:

"Unsere Rechtsabteilung ist der Auffassung: eine Bank muss gar nichts."

Er sagt es freundlich, entgegenkommend und völlig selbstverständlich.

21.02.2015

Syllogismus

Im Deutschen Ärzteblatt PP schreibt Herr Dr.med. H. P. einen Leserbrief und führt aus:

[...] Solange Psychologen mit Psychiatern verwechselt werden und bei Patienten und Poitikern die Vorstellung besteht, man könne alle psychischen Erkrankungen psychotherapeutisch behandeln und die Psychotherapeuten dem nicht klar widersprechen und sich entsprechend begrenzen, solange wird Psychotherapie sich schwerpunktmäßig auf die leichteren psychischen Störungen und Befindlichkeitsstörungen ausrichten. [...]

Solange die Sprache mit einer logischen Müllkippe verwechselt wird und bei Leserbriefautoren die Vorstellung besteht, man könne aus Prämissen einen völlig unsinnigen Schluss ziehen, weil man am Ende des Satzes schon nicht mehr weiß, wie man ihn begonnen hat, solange sollten sich diese Autoren schwerpunktmäßig auf die leichteren Satzformen ausrichten.

27.01.2015

Ermächtigung

Heise und die FAZ berichten, die EU-Kommission erwäge im Rahmen des Freihandels­abkommens mit den USA (TTIP), nur noch Gesetze zu verabschieden, die vorher von einem privaten, wirtschaftsgesteuerten Forum abgesegnet wurden.

Es wäre die ideale Ergänzung zu einem anderen Projekt, TISA, wo es — ebenfalls in Geheimverhandlungen — um die Privatisierung der Grundbedürfnisse des Menschen (Wasser, unter anderem) geht.

Dass sich Parlamente selbst aus dem Weg räumen, ist in Deutschland schon einmal vorgekommen. Wir sind wieder soweit.

26.01.2015

Tracker

Die ZEIT warnt in einem online-Artikel vor Trackern, kleinen Einschüben in Web-Seiten, die das Surf-Verhalten der User verfolgen und weitermelden.

Auf der Seite befinden sich acht Tracker.

Für sowas müsste es einen Journalisten-Preis geben.

23.01.2015

Anstalt

Es gibt sie wirklich, die Anstalt. Und wir leben in ihr. Einer der Insassen des Ostflügels, Abdullah bin Abdulaziz Al-Saud, ist gestorben. Aus dem Westflügel meldete sich Obama mit den Worten: "Die Nähe und Stärke der Partnerschaft zwischen unseren zwei Ländern ist Teil von König Abdullahs Vermächtnis."

Der Abdullah regierte ein Land, das dem Kalifat des IS schon ziemlich nahekommt. Einerseits müsste er das also unterstützen und tat es wahrscheinlich auch. Andererseits musste er aufpassen, dass ihm der Obama nicht in die Eier tritt. Das lief auch wie geölt. Der Obama wiederum regiert ein Land, das inzwischen dermaßen verrückt ist, dass man nicht voraussagen kann, was denen noch so alles einfällt. Jedenfalls hat er den Westflügel fest im Griff und man darf ihn nicht ärgern, sonst…

Ich muss gehen. Medikamentenausgabe. Der Personalrat hat beschlossen, dass wir die Pillen selber nehmen, damit wir einigermaßen zurecht kommen.

17.01.2015
Geschichte

Als der Kalte Krieg infolge des Zerfalls der Sowjetunion und der Öffnung der Berliner Mauer endete, musste ein neues Feindbild gefunden werden. In die Bresche sprang ein Verbündeter namens Saddam Hussein, den man gegen die Mullas im Iran ins Feld geführt hatte, wo er nichts ausrichten konnte, sich aber die versprochenen iranischen Ölquellen nun aus Kuweit zu besorgen gedachte. Es folgte der erste Golfkrieg. Das neue Feindbild begann sich zu bewähren und war nach dem 11. September 2001 vollends etabliert. Der neue Feind besaß natürlich ebenfalls Massenvernichtungswaffen, das gebot schon die Ebenbürtigkeit, auch wenn man sie nirgends finden konnte. Und er erhielt einen Namen: (islamistischer) Terrorismus bzw. Al-Qaida. Im Laufe der Jahre wurden Hunderttausende umgebracht — auch mit ferngesteuerten Drohnen, so als wären sie Ungeziefer — und die ganze Gegend destabilisiert: Afghanistan, Libyen, Ägypten, Syrien, usw. Mehr und mehr begannen Teile der dortigen Bevölkerung, sich angesichts dieser Zerstörung der materiellen Lebensgrundlagen auf die religiösen zu besinnen und aus ihnen eine Art Abwehrsystem zu machen. Man reduzierte dazu die Religion auf ihren ursprünglichen, vor-westlichen Gehalt (oder was man dafür hielt). Als Resultat breiteten sich großflächige Geschwüre aus und zwar in Gestalt fundamentalistischer Brigaden wie Boko Haram, Islamischer Staat, usw., unter denen allerdings wieder die Zivilbevölkerung zu leiden hat.

Zunehmend werden nun auch einzelne Zellen der westlichen Gebiete infiziert und infiltriert. Vehement unterstützt wird dieser Prozess dadurch, dass dort der materielle Gewinn als Sinn des guten Lebens angepriesen und vielen jungen Menschen gleichzeitig klar wird, dass sie daran nie Anteil haben werden. Auch sie wenden sich also an die Religion, und weil sie nicht den Eindruck haben, dass die etablierte Religion irgendetwas an ihrer Lage zu ändern imstande ist, konvertieren sie oder, wenn sie schon Moslems sind, radikalisieren sie sich.

Gleichzeitig zerfallen die Gesellschaften der USA und weiter Teile Europas an ihren eigenen Geschwüren, den Banken und "Märkten", die ebenfalls eine Art Kriegführung gegen die Zivilbevölkerung betreiben. Man braucht daher ein Feindbild, das von diesem Zerfall und dem Krieg im Innern ablenkt. Die terroristische Bedrohung von außen macht es darüber hinaus möglich, die Bevölkerung zu "schützen", indem man ihre Grundrechte systematisch einengt, sie — auch aus Gründen des sogenannten Wettbewerbs — flächendeckend bespitzelt und sie durch Furcht willfährig zu machen sucht. Das funktioniert bis jetzt nicht schlecht und...

... so schließt sich der Kreis.

Auf eine neue Runde also.

20.12.2014

Profil

Allenthalben macht man sich Sorgen um die Zunahme psychischer Erkrankungen. Man will jetzt aber wegen Überversorgung noch ein paar psychotherapeutische Praxen abbauen. Es gibt nämlich inzwischen etwas viel Besseres: Mitglieder einiger Krankenversicherer können sich dort telefonisch befragen lassen, damit man ihnen gezielte Angebote zur Prävention machen kann. Ihre Antworten werden mit einem supertollen neuen Computerprogramm auf Wortwahl, Stimmqualität und so weiter untersucht. Daraus wird dann ein Profil erstellt. Inhaltlich darf man ja wegen Datenschutz nicht nachfragen oder auswerten. Außerdem könnten einen die Befragten einfach anlügen. Da ist es doch besser, man erkundigt sich nach Belanglosigkeiten und verlässt sich auf die "in der Sprache und Stimme zum Ausdruck kommende[n] unbewusste[n] Anteile des Sprechenden". Das Ganze "fußt auf Erkenntnissen der formal-quantitativen Textanalyse, einem medizinischen, soziologischen und psychologischen Forschungszweig insbesondere in den USA, und der prosodischen (akustischen) Analyse von Sprachsignalen".

Die ZEIT (vom 11.12.2014) ist begeistert von der "Persönlichkeitsfahndung". In ihrer Titelgeschichte meldet sie, dass sich viele wichtige und geheime Dienstleister für die bahnbrechende Grundlagenforschung an der Universität von Texas interessieren.
Auch das zuständige Lokalblatt, die Aachener Zeitung, findet es "voll im Trend" und erläutert, der Geschäftsführer der Firma, die das supertolle Computerprogramm entwickelt hat, sei ein "promovierter Jurist und Wirtschaftswissenschaftler mit psychologischer Zusatzausbildung".

Die Firma heißt Psyware. Bei der Suche fragt Google nach: "Did you mean: spyware"?

18.12.2014

Weihnachtspost

In ihrer Weihnachtspost an die Mitglieder schreibt die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg

Die Psychotherapeuten haben, verdient, wenn auch verspätet, den höchsten Honorarumsatz seit Bestehen der KVBW.

Sagt das eigentlich irgendwas über die Honorarsituation in den einzelnen Praxen? Natürlich nicht, denn es gibt mehr Psychotherapeuten als vorher: viele halbe Kassensitze sind abgegeben worden, auf denen die Kolleginnen und Kollegen fast volle Versorgungsaufträge leisten. Was sagt es dann? Dass wir gefälligst zufrieden sein sollen. Und was sagt es den übrigen Ärzten? Dass es eine unkollegiale Frechheit ist, wenn wir noch immer nicht zufrieden sind.

Up yours!

26.10.2014

Prosperity

Neben den verschiedenen Strömungen fundamentalistischen Christentums, vor allem Kreationismus und Intelligent Design, greifen seit einiger Zeit auch in Europa Bewegungen um sich, die auf das Evangelium Bezug nehmen und es für eine seltsame Mischung aus New Age, Ablasshandel und ungebremstem Kapitalismus in Anspruch nehmen.

Man nennt das prosperity gospel, und es geht ungefähr so:

Gott will, dass wir alle reich und gesund sind. Wenn du also nicht reich und gesund bist, dann ist deine Beziehung zu Gott nicht in Ordnung. Wenn du stark genug glaubst, deine Wünsche oft genug formulierst und aussprichst, dann werden sie wahr werden. Und wenn du den Predigern, die solches verkünden — und selbstverständlich durch die Gaben ihrer zumeist armen Gläubigen sehr reich und gesund sind — geung Geld überweist, dann wird es dir Gott vielfach zurückgeben, und auch du wirst reich und gesund sein.

Wer hat's erfunden? Dreimal dürfen Sie raten. (Die Schweizer waren's nicht, obwohl Calvin Schweizer war.)

Hier treffen sich also zum makabren Tanz: Esoterik und New Age, nach deren Doktrin wir für unser Schicksal selbst verantwortlich sind, ein christlicher Gott, der zur Wunscherfüllungsmarionette degradiert wird und psychopathische Prediger, die bedenkenlos ihr Schneeballsystem durchziehen und sich in, wie ich finde, strafrechtlich relevanter Weise von Gott berufen und ermächtigt fühlen, auf riesigen Bühnen an schwerkranken Menschen 'Heilungen' durchzuführen, über Andersgläubige Flüche auszusprechen, und den eigenen Schäfchen Reichtum und Gesundheit zu verheißen.

Es geht ums Gewinnen und um Macht. Das Ego usurpiert wieder einmal das Spirituelle. Aber was soll's. Regen wir uns lieber über die Islamisten auf, gell?

16.10.2014

Logik

If you have something that you don't want anyone to know, maybe you shouldn't be doing it in the first place. (Eric Schmidt, CEO Google, Dec 6, 2009)

Wenn einer nichts zu verbergen hat, ist es doch nicht schlimm, wenn er überwacht und abgehört wird.

Nur wer etwas zu verbergen hat, findet das schlimm.

Wer das schlimm findet, hat etwas zu verbergen.

Nur wer etwas im Schilde führt, hat etwas zu verbergen.

Wer etwas im Schilde führt, ist ein Böser.

Wer etwas zu verbergen hat, ist ein Böser.

Wer gegen Überwachung ist, ist ein Böser.

7.10.2014

Melancholie

Ich hab Hagen Rether auf Youtube angeguckt. Meine Schattenseite mag den. Schwarze Galle - Melancholía.

Wenn Sie sich mal eine Vorstellung davon machen wollen, wie blöde diese Ökonomen wirklich sind, die uns dauernd die Wirtschaft erklären wollen, dann hilft vielleicht die Tatsache, dass die einem Psychologen den Ökonomie-Nobelpreis dafür gegeben haben, dass er ihnen ihre Grundlagentheorie, der “Homo Oeconomicus” sei ein rational Handelnder (a rational agent), zurechtgerückt hat.

Da hätten sie auch einen Autoverkäufer fragen können.

25.9.2014

Nachrichten

Heute ist Tag der Zahngesundheit. In Berlin wird eine neue Shopping-Mall eingeweiht. Ein Designer bekommt einen Preis für sein Lebenswerk. Freistoß-Spray wird in Deutschland nicht zugelassen. Der VfB Stuttgart wirft seinen Sportdirektor Bobic raus.

Psychotherapeuten und Psychiater demonstrieren in Berlin für angemessene Honorare. streichen! wen interessiert denn das??

Überhaupt: Nachrichten! Die Fernsehnachrichten. also das, was den Namen verdient, kommen inzwischen in der 'Anstalt' und einigen wenigen anderen Kabarettsendungen. Die Nachrichtensprecher sind Barwasser, von Wagner, Uthoff, Schramm, Pispers und noch ein paar andere.

14.09.2014

Projekte

Wir haben Projekte. Dauernd. Karriere ist natürlich ein Projekt. Aber auch Beziehungen. Freizeit. Kinder. Irgendwie ist alles ein Projekt.

Projekte folgen einem Plan. Wir bestimmen, was rauskommen soll und was wir tun müssen, damit genau das rauskommt. Auf dieses Resultat — projektsprachlich: den Outcome — arbeiten wir dann hin. Wir tun, was dem Projekt, also sei­nem Outcome, nützt und schalten so gut wie möglich aus, was ihm schadet oder als nicht relevant erachtet wird. Ein Projekt ist gelungen, wenn der Outcome erreicht wurde und mißlungen, wenn nicht. Deshalb ist das Handeln im Projekt grundsätzlich entweder 'richtig' oder 'falsch'.

Projekte haben eine Zeitschiene. Die ist idealerweise die kürzestmögliche Verbindung vom Plan zum Outcome.

Projekte benötigen und verbrauchen Ressourcen. Material, Energie, Arbeitskraft, usw. Sie schaffen dann neue Ressourcen, die für weitere Projekte verwendet werden.

Projekte müssen 'gemanagt', d.h. verwaltet und optimiert werden. Sie machen deshalb Unruhe. Man muss den Plan, die Zeitschiene, die Ressourcen und den Outcome überwachen und jederzeit scharf im Blick behalten. Projektmanagement ist selber ein Projekt. Auch das Projektmanagement kann man noch managen. Das nennt man dann Umstrukturierung.

Projekte treten selten einzeln auf, sondern in Gruppen, deren Elemente sich überlappen. Das eine ist noch nicht fertig, aber das andere hat schon angefangen. Wir sind stolz darauf, wie­viele Projekte wir in einem Zeitraum übereinanderschichten können. Wir haben die Zeit in ihrem horizontalen Ablauf optimiert und sind jetzt dabei, sie vertikal mit Parallelprojekten vollzustopfen.

Projekte machen Spaß, wenn sie gut laufen. Spaß ist das Projekt-Äquivalent zur Freude. „Let's have some fun“. Das ist ein Projekt. Paul Claudel soll einmal gesagt haben, der Mensch sei nicht zum Spaß, sondern zur Freude geboren. Aber das war gestern. Wenn Sie den Unter­schied nicht parat haben, denken Sie eine Minute daran, wie es sich anfühlt, wenn Sie Spaß haben und dann eine Minute, wie es sich anfühlt, wenn Sie tiefe Freude empfinden. Falls Sie keinen Unterschied merken, hat der Spaß schon gewonnen.

10.8.2014

Gewinnen

Winning isn't everything. It's the only thing. —(Amerikanischer Spruch)

In einer Fernsehdoku über den Eisenbahnkönig Cornelius Vanderbilt und den Ölmagnaten John D. Rockefeller wurde deutlich, dass es beiden einfach ums Gewinnen ging. Was sie zum Wohle der Menschheit entwickelt und hergestellt haben mochten, diente als Mittel zu diesem Zweck.

Kinder spielen miteinander. Bald aber werden sie angehalten, gegeneinander zu spielen, so dass eines gewinnt, das andere verliert. Sport ist so. Krieg ist so. Die neoliberale Wirtschaft ist so. (Und selbstverständlich sind Super-Helden, Hollywood-Filme und 'Ballerspiele' so.)

Zum Gewinnen braucht man einen Gegner. Also einen, mit dem höchstens zu Täuschungszwecken kooperiert wird. Wer nur gewinnen will, der weiß nicht, was er tun soll, wenn es keinen Gegner gibt. Der erste Schritt besteht dann darin, einen Gegner zu finden oder aufzubauen.

Gewinnen geht weit über einfachen Wettbewerb hinaus. Wer nämlich unbedingt gewinnen will, wird notfalls einwilligen, etwas zu verlieren, solange der Gegner noch mehr verliert. Und er wird es nicht zulassen, etwas zu gewinnen, wenn der Gegner noch mehr gewinnt. Alles Gerede über rationale Entscheidungen in Kooperations-Szenarien (wie etwa dem Gefangenen­dilemma) oder über die vielbeschworenen Win-Win-Situationen wird zur Augenwischerei.

Manche calvinistisch beeinflusste reformierte Kirchen nehmen das Gewinnen als Hinweis darauf, ob einer — nach Gottes schon vorher bestimmtem unveränderlichen und unergründlichen Ratschluss — auserwählt ist oder in die Hölle kommt. Auch hier gibt es also schon Gewinner und Verlierer. Gewinnen ist sub specie aeternitatis von größter Bedeutung. Die zahlreichen individuellen Verlierer können sich vielleicht damit trösten, dass sie als Gruppe bzw. Nation (U.S.: "us") gegen andere Gruppen gewinnen und dafür Opfer bringen. Sie dürfen natürlich nicht mitkriegen, wem sie die Opfer wirklich bringen. Das scheint auch gut zu funktionieren.

Freiheit ist in diesem Zusammenhang das Recht, sich am Spiel ungehindert zu beteiligen ("pursuit of happiness", "from rags to riches" — der amerikanische Traum). Die Möglichkeit des Gewinnens — damit auch des Verlierens — soll jedem offenstehen. Da darf sich auch der Staat nicht einmischen. Er hat die Aufgabe, nach innen ein paar Regeln aufrechtzuerhalten, die das Spiel ermöglichen, und nach außen fremde Gruppen und Nationen am Gewinnen zu hindern.

Im Gewinn-Spiel gibt es Verbündete aber keine Freunde, Zusammenarbeit aber kein Vertrauen, Vergeltung aber keine Vergebung.
Und niemals Frieden.

02.08.2014

Sommerloch

Sommer ist. Nix los ist. Alle hängen rum oder sind im Urlaub. Einem Wirtschaftskorrespondenten der FAZ ist doch noch was eingefallen: “Halbtagspraxis auf Kosten psychisch Kranker” titelt er vor sich hin, und — ein Wirtschaftskorrespondent, wie gesagt — “Steckt dahinter finanzielles Kalkül?”

Psychotherapeuten sind faul, erklärt er uns. Nicht nur im Sommer, sondern immer. Sie lassen die Kassenpatienten warten, um sich mit Privatpatienten zu beschäftigen und stehen überhaupt nur halbtags und hobbymäßig zur Verfügung.

Und wo hat er's her?
Aus “unveröffentlichten Berechnungen der KBV” die “frei von Einschätzungen oder Vermutungen” sind. Man hätte auch veröffentlichte Berechnungen anderer Institutionen nehmen können, aber die passen leider absolut nicht ins Bild. Unveröffentlicht ist eindeutig besser. Frei von Einschätzungen, Vermutungen, Nachprüfbarkeit und Wahrheit. (Andererseits muss man ihm zugute halten, dass bei der KBV auch die veröffentlichten Berechnungen manchmal relativ frei sind.)

Ich bin viel zu faul, um darauf noch näher einzugehen.
Liebe FAZ, könnt ihr eure Wirtschaftskorrespondenten einfach mal ein bisschen an die Leine nehmen? Halbtags oder hobbymäßig wäre vielleicht ganz gut. Es ist peinlich, wenn die Sachen schreiben, von denen sie noch weniger verstehen als von Wirtschaft.

31.07.2014

Krieg

Israel bombardiert den Gaza-Streifen. Die Hamas schießt Raketen nach Israel. Russische Separatisten in der Ukraine kämpfen gegen ukrainische Regierungstruppen. Junge deutsche Männer werden Islamisten und ziehen in den Krieg in Syrien.

Das sind die 'Tagesthemen'. Nachrichten über den Krieg, der seit mehr als 10 Jahren gegen die Zivilbevölkerung in der EU und anderswo geführt wird, kommen dann um 23 Uhr in Gestalt einer Doku: 'Der Banker - Master of the Universe'. (Und ich bin schon froh, dass sie überhaupt noch kommen.)

Was ist der Unterschied zwischen einem jungen Islamisten, der in den Krieg zieht und einem Abiturienten, der Investment­banker wird? Der Investmentbanker ist viel gefährlicher. 'Konvertiert' sind beide. Indoktriniert durch fanatische Imame bzw. schwachsinnige Ökonomie-Professoren werden sie umgekrempelt zu hormongesteuerten Zombies, denen unsere Lebenswelt komplett am Arsch vorbeigeht.

Mit solchen Typen werden dann ganze Länder angegriffen. Irak, Syrien auf der einen, Griechenland, Portugal, Spanien auf der anderen Seite (die schwächeren Länder zuerst). Im einen Fall wird die Infrastruktur zerschossen, im anderen zerbröselt sie langsam: Brücken, Straßen, Gleisanlagen, Schulen, usw.

Aber es wird gehen wie immer: nachher ist es keiner gewesen. Alle waren unschuldig. Ein paar Warlords aus Syrien werden vielleicht vor dem Haager Gerichtshof landen. Die Warlords von der Wallstreet, aus Frankfurt, Washington und Berlin ganz sicher nicht.

 

There’s class warfare, all right, [...] but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.
(Warren Buffett in der NY Times, 26.11.2006)

16.07.2014
Kontoschließung

Eigentlich wollte ich nur die Bankverbindung meines Amazon-Kontos ändern und bei dieser Gelegenheit auch die ‘Zahlungsweisen’ ausmisten, die ich im Lauf der Jahre angelegt hatte. Ich logge mich ein, gehe auf ‘Zahlungsweisen verwalten’ und drücke bei einem der auszumistenden Items ‘Löschen’. Im folgenden Fenster erhalte ich die Ansage, ich könne jetzt diese Zahlungsweise aus der Liste der Angezeigten nehmen. Irgendwie scheint ‘löschen’ nicht vorgesehen zu sein. Ich überlege, eine E-mail zu schreiben, aber dann habe ich eine bessere Idee: Ich mach' einfach das ganze Konto zu. Eine Option dafür ist natürlich auch nirgends zu finden. Also nachschauen im Internet. Verschiedene Webseiten erklären, wie's geht. Amazon selbst nicht: auf der Seite 'Über Kontoschließung' steht kein Wort davon, sondern nur, was mir alles fehlen wird, wenn ich's wage.

Die Fachleute bei CHIP meinen, ich soll ein Kontaktformular aufmachen. Gibt's aber auch keines in meinen Konto-Menüs, also nehme ich den Link, der freundlicherweise zur Verfügung gestellt wird, logge mich ein und gebe, wie dort beschrieben, unter 'Andere, nicht auf eine Bestellung bezogene Frage' den Punkt 'Konto löschen' von Hand ein. Dann soll ich bei Amazon anrufen.
Also gut.
Eine Dame fragt, warum ich das Konto löschen will. Ich antworte: "Weil ich grad nichts anderes zu tun hab und dachte, och, ich könnte doch mal eine richtig schwierige Aufgabe machen. Immer Sudoku ist ja auch öde irgendwann."

Die Dame schickt eine lange E-Mail, in der ich noch einmal auf die gravierenden Folgen einer Kontoschließung aufmerksam gemacht werde:

-    Schließung der Kundenkonten bei Amazon BuyVIP, Amazon.de, Amazon.co.uk, Amazon.com, Amazon.co.jp, Amazon.fr, Amazon.it, Amazon.es, Amazon.ca und Amazon.cn, sowie der Konten bei Javari.de, LOVEFiLM, Audible.de (inklusive der dort erworbenen Hörbücher).
-    Ihr Amazon Wunschzettel und andere angelegte Listen, der Bereich „Mein Konto“ und Ihr Kundenprofil, werden gelöscht.
-    Rezensionen, Diskussionsbeiträge und Kundenbilder können nicht mehr bearbeitet werden. Falls von Ihnen ausdrücklich bei Ihrer Rückmeldung gewünscht, werden diese gelöscht oder anonymisiert.
-    Alle Abonnements werden gekündigt (Prime, Spar-Abo, Cloud Drive, Prime Instant Video, etc.).
-    Sie haben keinen Zugriff mehr auf Inhalte von Kindle, Amazon Instant Video, Cloud Drive, Cloud Player und Amazon App-Shop.
-    Ihr Zugang zu Author Central und die damit zusammenhängende Autoren-Seite wird deaktiviert.
-    Ihr Verkäuferkonto für die Plattform Amazon.de Marketplace wird geschlossen.
-    Ihr Konto beim Amazon.de Partnerprogramm wird geschlossen.
-    Die Zahlungsmöglichkeit über Amazon Payments wird deaktiviert – dies gilt für alle Websites, die Amazon Payments einsetzen.

 

Falls auch Ihnen Sudoku einmal langweilig wird, hätte ich einen Vorschlag...

(Ein Konto eröffnen, geht — Sie erinnern sich? — in weniger als einer Minute.)

10.7.2014

Direktausbildung

Seit einiger Zeit wird eine direkte Ausbildung zum Psychotherapeuten diskutiert, die als eigenes Hochschulstudium mit einem Staatsexamen nebst Approbation abgeschlossen und um eine obligatorische Weiterbildungsphase ergänzt werden soll.

Ich habe mich mit der Thematik bis jetzt nicht beschäftigt. Aber sie bringt die einschlägigen Funktionäre des BVDN (Berufsverband Deutscher Nervenärzte) dermaßen auf die Palme, dass sie in der Ausgabe 4/2014 des 'Neurotransmitter' dagegen vom Leder ziehen.

Da muss also etwas Gutes dran sein:

Wenn es diese Aus- und Weiterbildung zum Psychotherapeuten geben sollte, würden im Psychotherapiestudium und später in der Weiterbildung auch Inhalte zur Neuroanatomie, Neuropathologie, Pathophysiologie, Psychopharmakologie etc. vermittelt, die den fertigen Psychotherapeuten mit Facharztstatus zur umfassenden Behandlung psychischer Störungen befähigen würden. Das führt zu einem Heilberuf zweiter Klasse oder einem „Psycho-Arzt light“. Das hilft psychisch Kranken nicht, sondern verwirrt, ja gefährdet sie. Auch im Sinne des Verbraucherschutzes ist das abzulehnen.

Nicht schlecht. (Wenn man einmal davon absieht, dass die Befähigung zur umfassenden Behandlung psychischer Störungen die Patienten gefährdet und im Sinne des Verbraucherschutzes abzulehnen ist. — Manchmal bin ich echt ratlos: Lesen die eigentlich, was sie da schreiben? Verstehen sie nicht, was sie da schreiben? Haben sie was geraucht beim Schreiben?)

Wenn der neue Psychotherapeut Facharztstatus hat, könnte er auch Klinken und Abteilungen leiten.

Es wird immer besser.

Der neue Psychotherapeut würde Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie oder andere Fachärzte anstellen können und/oder ausschließlich mit der Aufgabe der Psychopharmakotherapie beauftragen und diesen weisungsbefugt sein. Das lehnen wir komplett ab [...]

Absolut großartig. Der neue Psychotherapeut sollte sich das vorher trotzdem gut überlegen.

 

Der alte Psychotherapeut — in diesem Fall ich selbst — ist dankbar, dass es ihm durch glückliche Fügung und ernstes Bemühen erspart geblieben ist, von Leuten, die ihre denkerischen und syntaktischen Ohnmachtsanfälle regelmäßig zum Druck freigeben anstatt sie in gefasstem Schweigen vorübergehen zu lassen, Weisungen entgegennehmen zu müssen.

9.5.2014

Momente

“Ich bin Psychotherapeutin. Ich bin ein Qualitätsprodukt.” steht neben dem Photo einer Kollegin auf einem Plakat, das mir die Kassenärztliche Vereinigung anlässlich einer haus- und fachärztlichen Imagekampagne zum Aushang in meiner Praxis schickte.

Es war einer dieser Momente im Leben, wo man mit Woody Allen sagen möchte: “Ich will zurück in den Uterus! Irgendeinen!!”

1.4.2014

Selbstoptimierung

Endlich hat schon wieder jemand eine neue Methode gefunden, sich selbst zu optimieren:

Heute Morgen bin ich um 06:10 aufgestanden, nachdem ich gestern um 00:45 ins Bett gegangen war. In der Nacht war ich ein Mal aufgewacht – mein Puls war 61 Schläge pro Minute gewesen, mein Blutdruck 127/74 – ich hatte gestern null Minuten Sport getrieben, daher war mein maximaler Puls nicht berechnet worden. Hatte etwa 600 mg Koffein zu mir genommen, keinen Alkohol und mein Rating auf dem Narzissmus-und-Persönlichkeits-Index, dem NPI16, hatte ein beruhigendes 0,31 betragen. Wir wissen, dass Zahlen nützlich sind, wenn wir Dinge bewerben, managen, regieren oder nach der Wahrheit suchen. Ich werde darüber sprechen, wie sie auch nützlich sein können, um zu reflektieren, zu lernen, zu erinnern und zu versuchen, sich selber zu verbessern […].

Oder wir warten auf GoogleGlass...

Man kann keine Aprilscherze mehr machen, weil alles wahr ist. "Es ist gespenstisch, wie die Realität [der] Satire folgt. Schatten werfen Körper." (Karl Kraus).

Es gibt sehr gute Theorien über die Funktion unseres Planeten. So behauptete Kurt Vonnegut, er sei als sektorales Rohstofflager für tralfamadorische Raumschiffe eingerichtet worden, damit man nicht den ganzen Weg nach Hause zurückkehren muss, wenn mal was kaputtgeht. Douglas Adams war der Ansicht, es handle sich bei der Erde um einen Hypercomputer der zweiten Generation, der von Mäusen bedient wird und dessen Aufgabe es ist, die genaue Frage zu der Antwort zu finden, welche vom ersten Hypercomputer, Deep Thought, nach 7,5 Millionen Jahren Rechenzeit gegeben worden war und "42" lautet. Ich selbst neigte lange dazu, die Erfindung von Spaghetti Bolognese für den eigentlichen größeren Zweck zu halten und alles andere als akzidentell zu betrachten. Seit einiger Zeit legen gewisse Vorgänge jedoch den Gedanken an ein geschlossenes galaktisches Psychiatrie-Labor nahe, wozu auch die randständige Lage der Erde in der Milchstraße gut passen würde.

19.3.2014

Empörung

Petra Bühring, Redakteurin des Deutschen Ärzteblatts PP, schreibt in der Ausgabe 3/14 ein Editorial über die Honorarsituation der Psychotherapeuten und schließt mit dem Satz: "Ein wenig lauter dürfte die Empörung über die niedrigen Einkommen schon sein."

Recht hat sie, natürlich. Und es ist auch eine Frechheit, weil es unterstellt, wir seien schon so heruntergekommen und lethargisch, dass wir von der Redakteurin einen Tritt in den Hintern brauchen. Vielleicht hat sie ja da auch recht...

... aber nehmen wir doch mal an, wir würden es irgendwie hinkriegen, dass die KBV und die Kassen nach 15 Jahren einer — mit fast schon krimineller Energie betriebenen — Niederhaltung der Psychotherapeuten auf einmal ein Einsehen hätten und das Honorar für eine Therapiestunde um, sagen wir, 70% auf ein leistungsgerechtes Niveau anhöben. Dann würden sie sofort von den weiteren Sünden ihrer Vergangenheit eingeholt werden, weil viele Psychiater und alle möglichen anderen Ärzte, die noch irgendwo eine Abrechnungsgenehmigung für Psychotherapie aus den Tagen der Schnellbleiche herumliegen oder sich die sogenannte 'fachgebundene Psychotherapie' beschafft haben, auf Psychotherapie übergehen und eine Kostenlawine bei gleichzeitiger Absenkung der Qualität von Psychotherapie lostreten würden.
(Wir hatten sowas ähnliches schonmal — ungefähr 1993, wenn ich mich recht entsinne — als man die 'Sprechende Medizin' höher bewertete und irgendwelche Schlaumeier aus chirurgischen Fächern 26 Stunden Gesprächsleistungen pro Tag abrechneten.)

Ich würde also die von Frau Bühring eingeforderte Empörung noch etwas weiter fassen:
• Fachärzte für Psychotherapeutische Medizin / Psychotherapie und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie erhalten eine psychotherapeutischen Zweitapprobation.
• Psychotherapie ist nur und ausschließlich von approbierten Psychotherapeuten durchzuführen.
• Alle anderen Psychotherapiezulassungen werden gestrichen. Es gilt nur noch die psychotherapeutische Approbation.
• Die Ausbildungsgänge für alle Psychotherapeuten werden vereinheitlicht. Also: entweder gibt es ein Zweitstudium nach Medizin/Psychologie, oder die Psychologen kriegen ordentliche Assistenzarztstellen, oder Ärzte und Psychologen gehen zur Ausbildung an dieselben psychotherapeutischen Institute (wie es die Psychoanalytiker schon immer gemacht haben).

Andererseits: was geht mich die Kostenlawine an? Kostenlawinen bei gleichzeitiger Qualitätsabsenkung sind sowieso überall angesagt. Und verglichen mit derjenigen, die durch künstliche Hüften etc. verursacht wird, sind wir eh nur kleine Fische.

Also, Frau Bühring, machen Sie uns weiter Mut.

 

Nachtrag (20.3.2014): Der Psychiater und katholische Theologe Manfred Lütz, der eine rheinische Frohnatur ist und den ich deswegen bis vor einer halben Stunde ganz gut leiden konnte, schrieb heute in der ZEIT über Seelenqual und die Schwierigkeit, angemessene Behandlung zu finden:

Ein Psychiater versorgt im Jahr 1000 Patienten, ein Psychotherapeut 50!

Ein Psychiater erhält für die Behandlung eines schwer psychisch kranken Menschen in drei Monaten sage und schreibe 50 Euro, auch wenn der Patient jede Woche kommt. Ein Psychotherapeut erhält für eine einzige Therapiestunde doppelt so viel, selbst wenn der Patient gesund ist.

Was also müsste getan werden, um unnötige Therapien zu verhindern und mehr Kapazitäten für ernsthaft psychisch erkrankte Menschen zu schaffen? [...]
Die Genehmigungen für Psychotherapie werden erst erteilt, wenn ein Psychiater und Psychotherapeut [d.h. ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie] den Patienten persönlich untersucht hat und Therapiebedürftigkeit festgestellt hat. [...]

Seit dem Psychotherapeutengesetz, also seit 15 Jahren, wird vollkommen unbeirrbar immer und immer wieder derselbe arrogante Mist verzapft — man kann das hier in den Schattenseiten ab dem Jahr 2000 nachverfolgen — bis die Psychotherapeuten angesichts der schieren Wucht solcher Blödheiten den Mut verlieren, den ihnen dann eine Redakteurin zurückzugeben versucht.

11.3.2014

Nullstunden

Wir haben Praktikanten, befristete Arbeitsplätze, Leiharbeit und Werkverträge. Jetzt kommen — aus England, wo der Inselkoller immer wüstere Blüten treibt — die Nullstunden-Verträge. Jemand wird mit Null Stunden Arbeitszeit angestellt, steht dafür rund um die Uhr zur Verfügung, wird auf Abruf beschäftigt und wieder heimgeschickt. Bezahlt wird die tatsächliche Arbeitszeit.

Ich erwähne das nur, falls jemand noch irgendeinen Zweifel haben sollte, wo die Reise hingeht: zur Stunde Null.

2.3.2014

Philanthrop

Der Börsenspekulant George Soros, der zu den 85 Leuten gehört, die zusammen mehr besitzen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, ist in Wahrheit ein Philanthrop und “ein prominenter Unterstützer demokratischer Ideale”.

Das sind mir die Liebsten. Kinderhändler, die sich um arme Waisen kümmern.

27.2.2014
Gini

Das DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) berichtete gestern, dass jeder Deutsche statistisch gesehen über ein Vermögen von 83.000 Euro verfüge:

Allerdings sind die insgesamt rund 6,3 Billionen Euro Nettovermögen im Land auch weiterhin höchst ungleich verteilt: Während diejenigen, die zum reichsten Prozent der Bevölkerung zählen, ein persönliches Vermögen im Wert von mindestens 800.000 Euro besitzen, verfügt gut ein Fünftel aller Erwachsenen über gar kein Vermögen. Bei rund sieben Prozent der Erwachsenen sind die Schulden sogar größer als der Besitz. In keinem anderen Land der Eurozone liegt das Maß für Ungleichheit, der sogenannte Gini-Koeffizient, höher als in Deutschland. [...]

Der Gini-Koeffizient, der die Ungleichheit misst, lag in Deutschland im Jahr 2012 bei 0,78. Je höher dieser Wert, umso größer ist die Ungleichheit. Bei einem Wert von eins ist die Ungleichheit maximal, bei Null ist sie minimal ausgeprägt. In Frankreich liegt er bei 0,68, in Italien bei 0,61 und in der Slowakei bei 0,45. Höher als in Deutschland ist die Vermögensungleichheit in den USA. Dort lag der Gini-Koeffizient im Jahr 2010 bei 0,87.

In der Ukraine sind, wie der Ministerpräsident der Übergangsregierung erklärte, 37 Milliarden Dollar an Krediten "verschwunden" und ca. 70 Milliarden in den vergangenen drei Jahren außer Landes gebracht worden. Man bräuchte jetzt 35 Milliarden, um eine Staatspleite abzuwenden.

Die ukrainischen Kleptokraten sind uns weit voraus. Aber wir werden schon noch aufholen.

14.2.2014

Kurze Werbeeinblendung:

Braucht Deutschland noch eine Bank, die einfach so weitermacht?

Klar. Wir können nicht anders. Wir wollen auch nicht.
Commerzbank. Die Bank in Ihrer Seite.

14.01.2014
Strippenzieher

Fernsehen bildet. Manchmal. Gestern zum Beispiel kam die Talk-Show ‘Hart aber fair’. Da diskutierten Politiker eifrig über den Start der Großen Koalition. Kurz danach eine Sendung über die Leute, die — ungesehen, wie es sich für ein ordentliches Puppentheater gehört — bei diesen Hampelmännern die Strippen ziehen. Zum Beispiel Laurence ‘Larry’ Fink, Chef der größten Investment-Firma der Welt, BlackRock. Der Kontrast könnte größer nicht sein.

 

Im Kino läuft jetzt bald, höchstwahrscheinlich passend zum vor uns liegenden Jahr, ein Hollywood-Film nach der Lebensgeschichte eines gewissen Jordan Belfort, der (laut Wikipedia) seinen Kunden als Börsenhändler 200 Millionen Dollar aus der Tasche zog, dafür zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, davon 22 Monate absaß, jetzt seinen Bewährungsauflagen zur Rückzahlung des Schadens nicht nachkommt, stattdessen Bücher über sich schreibt, die Filmrechte daran verkauft, als 'motivational speaker' auftritt und in Manhattan Beach bei Los Angeles lebt.
Nun kommt also der Film. Hauptrolle: Leonardo di Caprio. War das nicht der nette Junge von Titanic, der so liebevoll war und sich für seine Angebetete geopfert hat und...? Ja, genau der. Großes Kino.

 

Das Unwort des vergangenen Jahres ist "Sozialtourismus". Das soll heißen, dass sich die Armen auf unsere Kosten ein warmes Plätzchen suchen, damit sie einigermaßen zurechtkommen. Vielleicht könnte man als Wort des Jahres 2013 "Asozialtourismus" nehmen. Das soll heißen, dass sich die Reichen auf unsere Kosten ein warmes Plätzchen suchen, damit sie einigermaßen zurechtkommen.

I am indebted to the British welfare state; the very one that Mr Cameron would like to replace with charity handouts. When my life hit rock bottom, that safety net, threadbare though it had become under John Major’s Government, was there to break the fall. I cannot help feeling, therefore, that it would have been contemptible to scarper for the West Indies at the first sniff of a seven-figure royalty cheque. This, if you like, is my notion of patriotism. On the available evidence, I suspect that it is Lord Ashcroft’s idea of being a mug. (J.K.Rowling)

18.6.2013
Geheimnisse

Oh mein Gott! Die NSA spioniert uns aus. Sowas geht doch nicht. Da muss man doch was machen dagegen. Am besten, die Merkel liest dem Obama mal den Leviten. Wo kommen wir denn da hin...

Wir sind schon längst da. Das Internet hat den Zweck, Informationen verfügbar zu machen. Für alle. Also auch für die Geheimdienste (Nee, echt jetzt??!). Heutzutage braucht man für das, was früher ein ganzes Batallion mit Trenchcoat und Schlapphut an handgepflückten Daten heimbrachte, zwei Mann und ein paar Computer. Google und Facebook sammeln Daten, aber die Geheimdienste nicht? Wenn NSA und CIA nicht an allen Internetknoten und in jedem großen Computerkonzern ihre Spezialagenten mit einer Lizenz zum Löten an den Schaltstellen sitzen hätten, müsste man ihre Chefs feuern. Die Agenten sorgen dafür, dass kein, aber auch gar kein, Produkt ohne entsprechende Backdoor an die Kundschaft ausgeliefert und der Internetverkehr engmaschig überwacht wird. Das ist das Mindeste. Und weil die allermeisten Computerkonzerne amerikanisch sind, klappt das höchstwahrscheinlich auch. Die Geheimdienste anderer Länder wollen sich nicht lumpen lassen und tun, was sie können, um Schritt zu halten. Wenn man dann schon dabei ist, sammelt man natürlich nicht nur für den 'Krieg gegen den Terrorismus', sondern gleich richtig für den Krieg gegen alle, von der ökonomischen Konkurrenz bis zu den eigenen Bürgern — und auf einmal verstehe ich ein bisschen, warum die Amis aus Angst vor einer alles kontrollierenden Regierung ihre Waffen nicht hergeben wollen. Es wird aber wohl nichts nützen. Neben Trojanern, Viren und anderen Helferlein haben wir ja beispielsweise auch noch die vielbejubelte Gesichtserkennung, Handy-Ortung und IPv6, wo demnächst jeder Elektrorasierer und mein linker Schuh eine eigene IP-Nummer hat; dann ist wirklich so gut wie alles schön transparent. (Wir kennen das ja bereits aus Star Trek: 'Computer, lokalisiere Captain Picard." "Captain Picard befindet sich auf Deck 14 und guckt Pornos.")
Auch die sozialen Netzwerke sind ein wahrer Segen. Da kann jeder ein bisschen spionieren, die Profis natürlich besonders. Es ist nicht vorstellbar, dass irgendeine Regierung, schon gar nicht eine amerikanische, diesem Treiben Einhalt gebieten könnte. Wir werden uns also einfach dran gewöhnen. Basta. — Und einige wenige besonders Gewissenhafte werden ihre Computer und Smartphones auf den Müll schmeißen und 'aussteigen'. Auf die wird man dann ein paar Schlapphüte ansetzen, wie früher.

A propos Star Trek. Es ist in diesem Zusammenhang angebracht, auch Hollywood einmal lobend zu erwähnen. Hollywood ist die effizienteste Propaganda-Maschine aller Zeiten. Man hat dort schon lange erkannt, dass es nichts bringt, wenn die Propaganda nur alles schönredet, wie es diese Deppen in Nordkorea noch machen. Vielmehr braucht man eine Mischung aus heiler Welt in der besten, freiesten, demokratischsten aller Nationen und einer unverblümten Darstellung der systematischen Menschenrechts­verletzungen, 'Kapital'-Verbrechen, Umweltzerstörungen, usw. Meist kommt dann Bruce Willis und biegt's wieder hin. Wer das alles im Kino schon gesehen hat, regt sich nicht mehr ganz so auf, wenn herauskommt, dass die Sauereien auch in Wirklichkeit genau so passieren. Es gibt ja Bruce Willis und Batman und für den Notfall hab ich selber auch eine Knarre.
Genial.

14.6.2013
Professorinnen

Der Große Senat der Universität Leipzig hat beschlossen, in der neuen Grundordnung der Hochschule nur noch die weiblichen Bezeichnungen ('Professorin', etc.) zu verwenden und die männlichen mit einer Fußnote zu bedenken:

In dieser Ordnung gelten grammatisch feminine Personenbezeichnungen gleichermaßen für Personen männlichen und weiblichen Geschlechts. Männer können die Amts- und Funktionsbezeichnungen dieser Ordnung in grammatisch maskuliner Form führen.

Ich versuche mir vorzustellen, dass sich unter den Senats-Professorinnen auch Germanistinnen befunden haben, die den Unterschied zwischen Genus und Sexus einfach ignorieren (den ich hier für alle Sprachreformerinnen schon einmal erklärt habe).

Die Rektorin, Frau Professorin Doktorin Beate Schücking, erklärte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, die Grundordnung beziehe sich

auf alle Mitglieder der Universität, also auch auf unsere Studierenden, von denen die Mehrheit weiblich ist. Mir fehlt einfach die Phantasie dafür, dass die Männer unter der neuen Sprachregelung leiden könnten. Wir Frauen haben uns doch auch daran gewöhnt, dass man uns als Frau Professor anspricht.

Eine entsprechende Frage des Journalisten beantwortete sie mit dem Satz

Wir waren nüchtern.

Auch das noch!

25.5.2013
Ministerialbürokraten

Wem vertrauen Sie mehr? Ihrem Hausarzt bzw. Psychotherapeuten oder dem Anlageberater einer Bank?

Der Deutsche Bundestag hat ein sogenanntes Patientenrechtegesetz auf den Holzweg gebracht. Wackere Ministerialbürokraten — Leute also, die, um es mit Ludwig Thoma zu sagen, gute Juristen und auch sonst von mäßigem Verstand sind — waren wohl der Ansicht, dass man, wenn es schon nicht mehr gelingt, das Verhältnis von Kunden und Anlageberatern auf eine vertrauensvolle Basis zu stellen, doch wenigstens der Beziehung zwischen Patienten und ihren Hausärzten oder Psychotherapeuten die Vertrauensgrundlage entziehen kann, damit es irgendwie 'einheitlich' wird. Einheitlich auch in dem Sinne, dass Psychotherapie gleichgesetzt wird mit chirurgischen Eingriffen der Organmedizin.

Zu diesem Zweck sind nun Patienten vor Beginn der Behandlung mit einem Behandlungsvertrag auszustatten, in dem unter anderem schriftlich und mündlich aufzuklären ist über

Art, Umfang, Durchführung, zu erwartende Folgen und Risiken der Maßnahme sowie ihre Notwendigkeit, Dringlichkeit, Eignung und Erfolgsaussichten im Hinblick auf die Diagnose oder die Therapie (BGB §630e).

Da hätte ich auch noch zwei Vorschläge:

Das Beichtkind ist vorab schriftlich und mündlich aufzuklären über Art, Umfang, Durchführung, zu erwartende Folgen und Risiken der Maßnahme sowie ihre Notwendigkeit, Dringlichkeit, Eignung und Erfolgsaussichten im Hinblick auf das Seelenheil und den Aufenthalt im Purgatorium.

Der Schüler bzw. Student ist vorab schriftlich und mündlich aufzuklären über Art, Umfang, Durchführung, zu erwartende Folgen und Risiken der Bildungsmaßnahme sowie ihre Notwendigkeit, Dringlichkeit, Eignung und Erfolgsaussichten im Hinblick auf die Möglichkeit, einmal zum Ministerialbürokraten aufzusteigen.

15.5.2013
Nachtschweiß

Capitalism is the astounding belief thet the nastiest of men for the nastiest of motives will somehow work for the benefit of all. (John Maynard Keynes)

Democracy substitutes election by the incompetent many for appointment by the corrupt few. (George Bernard Shaw)

Der Kapitalismus bedient die Gier, die Demokratie bedient die Inkompetenz.

Wir haben aber nichts Besseres.

18.4.2013
Stellungnahme

Die Bundespsychotherapeutenkammer scheint wenigstens vorübergehend aus dem Schlaf der Gerechten erwacht zu sein und veröffentlichte eine wunderbar klare und fast schon energische Stellungnahme: 10 Tatsachen zur Psychotherapie.

Dass ich das noch erleben darf!

13.4.2013
Expertise

Ich habe auf diesen Seiten schon häufiger darauf hingewiesen, dass ich die Ausübung der Psychotherapie durch entsprechend qualifizierte Ärzte für selbstverständlich halte. Den Funktionären der ärztlich-psychotherapeutischen Verbände scheint das nicht so zu gehen, denn sie bemühen sich seit dem Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes — das den Psychologischen Psychotherapeuten die Approbation und damit die Erlaubnis zu selbständigen Ausübung der fachbezogenen Heilkunde brachte — für sich eine Sonderstellung zu erreichen, indem sie sich als Universalspezialisten darstellen, die den gesamten 'biopsychosozialen' Raum überblicken und sich aufführen, als wäre nicht genug Platz für alle da.

Ein Arbeitskreis des wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer hat nun, so berichtet das Deutsche Ärzteblatt, "Expertisen zur ärztlichen Psychotherapie in Auftrag gegeben".

Heraus kommt, wie es bei Expertisen nicht anders zu erwarten ist, genau das, was die Hardliner der ärztlichen Psychotherapeuten seit Jahr und Tag predigen um sich über die Psychologischen Psychotherapeuten zu erheben. Ein kurzer Blick in eine der Literaturstellen liefert auch sofort eine Liste der üblichen Verdächtigen: die Dres.med. Herpertz, Schaff, Roth-Sackenheim, Falkai, Bergmann und noch ein paar andere.

Im Artikel heißt es also folgerichtig:

Für die Versorgung ist ein Spezialist zu wünschen, der diagnostisch und therapeutisch die vielfältigen Diagnosegruppen kennt beziehungsweise zu erkennen gibt, wo seine Expertise liegt. Dies sollten und müssen Ärzte sein, die die Probleme der somatisch-psychischen Wechselwirkungen ebenso überblicken wie die sozialmedizinischen Folgen.

Das Spezifische der ärztlichen Psychotherapie ist die Einbettung in einen mehr oder weniger komplexen und flexiblen Gesamtbehandlungsplan.

Die „Richtlinienpsychotherapie“ hat zu einer Gleichförmigkeit der abgerechneten Leistungen geführt. Zu der Vergütung der – allein von Fachärzten geleisteten – psychiatrischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen besteht eine dysfunktionale Diskrepanz, die dazu führt, dass schwerer kranke oder alte Patienten weniger „gern“ behandelt werden.

Es ist immer wieder erstaunlich, dass einem Mediziner, also einem Nicht-Psychologen, die Aneignung psychologischen Wissens ohne weiteres zugetraut wird (z.B. 'fachgebundene Psychotherapie'), nicht aber einem klinischen Psychologen der Erwerb des medizinischen Wissens, das zu seinem Fachgebiet gehört. Aber man kann ja auch aus einem Ingenieur viel leichter einen Physiker machen als umgekehrt, gell?

Zu befürchten ist, dass es in Zukunft für den ärztlichen Anspruch noch düsterer aussehen wird: die Psychologie befindet sich nämlich in einer — für mich schon fast beängstigenden — Wandlung zur reinen Naturwissenschaft, und die Hirnforschung — als eine neue Grundlage auch der Psychotherapie — wird mehr und mehr von Psychologen betrieben, vor allem weil die praktischen Hindernisse invasiver Messverfahren durch die neue Bildgebung verringert sind, aber auch, weil es doch irgendwie ganz in Ordnung ist, wenn psychologische Grundlagenforschung maßgeblich von Psychologen gemacht wird.

Sozusagen pro domo sei noch festgehalten, dass Psychiatrie sowohl im Psychologiestudium als auch in der psychotherapeutischen Weiterbildung gelehrt wird, und dass ich nach insgesamt zweieinhalb Jahren Assistenz in psychiatrischen Kliniken und über 25 Jahren medizin-kooperativer psychotherapeutischer Praxis sicher mehr davon verstehe als die meisten Fachärzte außerhalb der Psycho-Fächer.
Was schließlich die Psychosomatik und die "mehr oder weniger komplexen und flexiblen" Gesamtbehandlungspläne betrifft, so hat sich hier die konsiliarisch-kollegiale Erörterung mit dem Haus- und ggf. dem Facharzt bewährt, die den Anspruch, einer allein könne oder müsse alles selber wissen, vollkommen überflüssig macht.

 

Hier noch ein paar Perlen aus der bereits erwähnten Literaturstelle. Wie Karl Kraus einmal schrieb: "Es genügt nicht, keinen Gedanken zu haben: man muss ihn auch ausdrücken können":

Ärztliche Psychotherapie kann folgendermaßen definiert werden: Sie ist ein geplanter interaktioneller Prozess nach ausführlicher Diagnostik unter definierter Zielsetzung und gezielter Auswahl von Methoden und Techniken oder eines Verfahrens.

Oft, aber nicht immer geht Ärztliche Psychotherapie mit einem definierten Anfang und einem ins Auge gefassten Ende einher [...]

Ärztliche Psychotherapie schließt eine hohe Flexibilität in Inhalt und Dosis ein [...]

Es bestand weitgehend Konsens in der Lesart, dass Ärztliche Psychotherapie eine psychotherapeutische Intervention ist, die von einem Arzt durchgeführt wird.

Genau. Auf diese 'Lesart' kann man sich doch einigen und vielleicht den ganzen anderen Murks einfach weglassen.

10.01.2013
Deal

Wir, d.h. die Bevölkerung, retten mit unserem Steuergeld (griechische) Banken und bewahren den (griechischen) Staat vor der Zahlungsunfähigkeit. Zum Ausgleich kaufen (griechische) Steuerflüchtlinge alle verfügbaren Immobilien in Berlin und anderen Großstädten, und wir, d.h. die Bevölkerung, zahlen die Steuerfluchtrendite in Form von exorbitanten Mieten.

(Griechisch) ist in Klammern, weil's darauf nicht ankommt.

04.01.2013
Entschließung

Die Bundeshauptversammlung 2012 des NAV-Virchow-Bundes, Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands e. V., pflegt intern in Wort und Schrift nicht mehr den Begriff Psychotherapeuten sondern konkretisiert jeweils ärztliche Psychotherapeuten, nicht ärztliche Psychotherapeuten. Ebenso wird auf allen anderen Ebenen dafür Sorge getragen, dass eine klare Zuordnung erfolgt, die für jeden Bürger sicher erkennbar macht, ob es um ärztliche oder nichtärztliche Psychotherapie geht.

Wie ein Vertriebenenverband. Die geben auch nie Ruhe.
(Heimlich verlassen sie sich aber schon darauf, dass die Psychologen nicht eines Tages doch noch anfangen, von nicht-psychologischer Psychotherapie zu reden.)

14.12.2012
Fitschen

Nach einer Razzia in der Deutschen Bank wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und Geldwäsche, in deren Folge fünf Bankmitarbeiter verhaftet wurden, fühlt sich Vorstandschef Fitschen, gegen den ebenfalls Ermittlungen laufen, 'ungerecht behandelt'. Er fragt sich, 'wie es überhaupt zu diesem Verfahren kommen konnte', findet die Maßnahmen der Staatsanwaltschaft 'überzogen' und die Vorwürfe bar jeder Grundlage.

Ich kann ihn gut verstehen. Palastrevolte. Aufstand der eigenen Darmbakterien. Der Speck fängt an, sich gegen die Maden zu wehren. Unglaublich.

08.12.2012
Krankenhaus

Die neoliberale Organisation des Gesundheitswesens schreitet voran: Chefärzte kriegen Bonusverträge, damit sie möglichst viel operieren und Umsatz machen. Die Patienten sterben dann an multiresistenten Keimen, gegen die es keine Bonusverträge gibt.


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