13.2.2009
Genetik

Man sagt, die Ökonomie, speziell die Börse, sei zu 50% Psychologie. Das geht noch genauer: Es ist die Psychologie des Kindergartenalters.

Nun hat man, einem Bericht von Heise zufolge, herausgefunden, dass die Finanzkrise genetisch bedingt ist. Vielleicht kommt das daher, dass die Genetik durch die Finanzmärkte bedingt ist. Eine Hand, oder besser: ein Depp wäscht den andern. Wenn wir jetzt noch ein paar Politiker und den Beinahe-Weihbischof von Linz dazunehmen, haben wir schon ein ziemlich gutes Bild abendländischer Infantilität.

17.1.2009
Gegenkultur

Eine 27-jährige Unternehmerin meinte am 15.1. in einer Talkshow des ZDF folgendes:

Ich find das total absurd, zu sagen, dass die Leute, die ein bißchen mehr verdienen, oder die Reichen, wie Sie sie so schön nennen, dann was zurückzahlen müssen und einen Ausgleich schaffen müssen. Was haben wir denn dann noch für einen incentive überhaupt was zu leisten im Leben?

'Incentive' ist neudeutsch und heißt 'ein Haufen Geld' und/oder 'ein von der Firma bezahlter Besuch im Puff' (für Damen irgendwas Entsprechendes).

Das ist die Gegenkultur.

Islamisten? Terroristen? Ich bitt' Sie! Davor waren's die Kommunisten, weil es halt eine Gegenkultur geben muss, damit man die Gegenkultur nicht sieht.

In der Gegenkultur braucht man incentives, damit man seinen Job ordentlich macht (und Abfindungen, wenn man ihn nicht ordentlich macht). Man nennt sich selber 'Leistungsträger' und die anderen 'Neidgesellschaft'. Im 'Chat' nach der Sendung meinte dieselbe junge Dame:

Ich glaube, dass Leistungsträger dafür belohnt werden müssen, dass sie hart arbeiten und Arbeitsplätze schaffen.

Zu denen, die also nichts leisten, gehören die Lehrer oder die Hausärzte in den ärmeren Vierteln der Großstädte und ganz besonders die Hunderttausende, die einen Vollzeit-Job machen, von dem sie nicht leben können.

In der Gegenkultur verlässt man sich aber darauf, dass die nicht alle morgen damit aufhören, weil sie auf einmal merken, dass die incentives fehlen.

30.12.2008
Profit

Die Grünen —manchmal sind sie halt doch zu was gut— haben aus öffentlich zugänglichen Zahlen herausfinden lassen, dass die Gewinne der vier großen Stromkonzerne (RWE, Eon, Vattenfall, EnBW) sich von 2002 bis 2007 mehr als verdreifacht haben. Gleichzeitig stieg der Strompreis für die Kundschaft um ca. 50%.

Die WELT berichtet, Eon habe die Studie als 'klar erkennbare Auftragsarbeit' zurückgeweisen. "Sie liefere lediglich 'politisch oder ideologisch gewünschte Ergebnisse, indem Fakten und Zusammenhänge ausgeblendet und ignoriert werden'". Sieht es also nur so aus, als würden wir abgezockt?

Die Amerikaner haben für fast alles einen passenden Spruch. In diesem Fall: 'If it walks like a duck, looks like a duck, and quacks like a duck, it IS a duck.'

Wenn wir schon dabei sind: Der SPIEGEL —der manchmal auch zu etwas gut ist— beschert uns eine neue Definition des Wortes 'Bankraub'. Bei Heise erschien die mehrteilige Serie "Unter Bankstern". Und der Kabarettist Hagen Rether meinte heute im 'Scheibenwischer': "Gegen diese 'Kapitalverbrecher' sind die unterbelichteten Bombenbastler von Al-Qaida ein Furz in den Wind."

Der Scheck heiligt die Mittel.
Da wollen wir noch einmal Knete vor Recht ergehen lassen.

5.12.2008
Koma

"Don’t drink too much. Stay gold." So nennt sich eine neue —deutsche— Kampagne gegen das Komatrinken.

Wie viel muss man eigentlich saufen, bis einem so was einfällt?

20.11.2008
Statistik

Die Lage der niedergelassenen Psychiater ist wirklich nicht rosig. (Wir können das nachfühlen, denn uns geht's genau so.) Um Abhilfe zu schaffen, publiziert ein Herr Dr. Melchinger im Ärzteblatt einen Artikel unter dem Titel "Ambulante psychiatrische Versorgung: Umsteuerungen dringend geboten".

Da geht es frisch zu Werke; es erinnert mich irgendwie an die Hobbythek im Fernsehen, wo ein aufgeräumter Jean Pütz verkündet: "Heute basteln wir uns eine Statistik":

Eine Aufschlüsselung der vertragsärztlichen Versorgung nach Leistungserbringern, Fallzahlen und Ausgaben zeigt extreme Disparitäten auf:

- Psychiater und Nervenärzte behandeln 72 Prozent aller Fälle, erhalten aber dafür nur rund ein Viertel der Gesamtausgaben.
- Ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten behandeln 28 Prozent der Fälle und erhalten dafür rund dreiviertel der Gesamtausgaben.

Dies bedeutet: Je größer der Hilfebedarf von psychisch Kranken ist, desto weniger bedarfsgerechte Hilfen stehen zur Verfügung. Für schwerere, oft mit komplexer Komorbidität verbundene psychiatrische Behandlungsfälle, die einer umfassenden und kompetenten nervenärztlichen Behandlung bedürfen, kann der Psychiater und Nervenarzt — wie schon erwähnt — nur etwa 30 Minuten finanzierte Behandlungszeit pro Quartal einsetzen. Für leichter gestörte Patienten, die auch noch ein halbes Jahr auf einen Therapieplatz warten können, steht ein differenziertes und umfängliches psychotherapeutisches Angebot zur Verfügung.

Es gibt ungefähr 5000 Nervenärzte/Psychiater und 20000 Psychotherapeuten in der Republik. Das sind viermal soviele Psychotherapeuten wie Psychiater. Die Psychiater kriegen ein Viertel und die Psychotherapeuten drei Viertel. Eigentlich müssten die Psychotherapeuten vier Fünftel kriegen, aber wir wollen nicht kleinlich sein.

Und warum müssen die Psychiater 72% der Patienten und die psychisch Schwerkranken in 30 Minuten behandeln, während die Psychotherapeuten sich mit 28% der 'leichter gestörten Patienten' stundenlang beschäftigen? Das kommt daher, dass die Psychiater Psychiater sind (und Psychotherapie zeitgebunden ist). Warum müssen sich die Chirurgen mit diesen ganzen grausigen blutigen Verletzungen abgeben und die Psychiater nicht? Weil die Chirurgen Chirurgen sind. Warum machen die Psychiater keine Operationen? Weil sie keine Chirurgen sind. Und warum machen die Psychotherapeuten keine psychiatrischen Behandlungen...? ...Na also. Geht doch.

Wie gesagt: es wäre den Psychiatern dringend zu wünschen, dass sie mehr Zeit und mehr Geld kriegen. Leider kicken sie schon wieder in die falsche Richtung.

Aber abgesehen davon: Schön geworden, die selbstgemachte Statistik.

10.11.2008
Darreichungsformen

Ab 1.1.2009 gibt's mal wieder einen neuen EBM. Die DGPM (Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie) freut sich und schreibt in einer Pressemitteilung:

Aufgrund der bisherigen Honorarregelungen waren uns weitgehend die Hände gebunden, wenn wir genuin ärztliche Leistungen erbringen wollten [...]. Dazu zählten die körperliche Untersuchung, Laboruntersuchungen oder auch ungeplante Beratungsgespräche, um nur wenige Beispiele zu nennen.
[...]
Viele Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie atmen angesichts der neuen Regelungen auf und freuen sich darauf, ihr bisheriges Praxis-Portfolio durch eine blühende Mischkultur aus Körpermedizin, Beratung und Psychotherapie in unterschiedlichen Darreichungsformen zu erweitern.

Blühende Mischkultur in unterschiedlichen Darreichungsformen. Man könnte glatt losheulen, so schön ist das.

27.10.2008
Medien

Man kann die Medien kaum öffentlich kritisieren. Schließlich sind sie es, die bestimmen, was gesendet und gedruckt wird. Journalisten —besonders die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen— halten es generell für einen Angriff auf die Pressefreiheit, wenn man sie kritisiert. Da sind sie empfindlich und kriegen Pickel.

Nun ist ihnen der Reich-Ranicki durch die Lappen gegangen und hat den Deutschen Fernsehpreis abgelehnt. Das war nicht verabredet und es hat ihn selber so erschreckt, dass er dem Gottschalk das 'Du' angeboten hat.

Was früher einmal landläufig 'Kultur' war, wird im Deutschen Fernsehen auf die hinteren Sendeplätze und damit in unmittelbare Nachbarschaft zur Pornographie gerückt. Und obwohl es kaum einen passenderen Ausdruck gibt, darf man das, was sich auf den vorderen Plätzen abspielt, nicht einfach als 'hirnlose Scheiße' bezeichnen, sonst fliegt man raus, wie Elke Heidenreich.

Das war die Kultur. Jetzt kommen die Nachrichten. 1914 schrieb Karl Kraus über die Presse: "Sie übertreibt den Zustand der Welt, nachdem sie ihn geschaffen hat." Das gilt natürlich auch fürs Fernsehen.

15.10.2008
Finanzmärkte

Wie ich unten schon angedeutet habe, verstehe ich nicht viel von Ökonomie. Anlässlich der gegenwärtigen Finanzkrise hab ich aber doch noch was gelernt:

1. Wir sind auf einen semantischen Trick hereingefallen: Finanzberater, Anlageberater, Versicherungsberater, Vermögensberater, das alles sind keine Berater, sondern Verkäufer (wie in 'Gebrauchtwagenverkäufer'). Das Vertrauen, das man ihnen entgegenbringt, sollte diesen einfachen Umstand nicht außer Acht lassen.

2. Den Verkäufern wird befohlen, möglichst viel zu verkaufen, und ihr Einkommen hängt davon ab. Ihre Provisionen richten sich danach, dass sie etwas verkauft haben, nicht danach, dass sie etwas Nützliches oder Gewinnbringendes verkauft haben.

3. Viele der sogenannten 'Finanzprodukte', die da verkauft werden, sind in Wirklichkeit Wetten. Wie Pferdewetten. Nur wesentlich unsicherer. Und weil es nicht ihr eigenes Geld ist, was verwettet wird, raten die Verkäufer manchen Leuten, auf das dreibeinige Pferd zu setzen, weil es, wenn es gewinnt, natürlich die höchste Rendite bringt. Sie sind auch sehr zuversichtlich, dass das dreibeinige Pferd garantiert gewinnt, oder sie vergessen den Hinweis auf die Dreibeinigkeit, denn sie kriegen ihre Provision nicht erst, wenn es gewonnen hat, sondern sobald sie jemand zum Einsatz überredet haben.

4. Die Investmentbanker und Bankvorstände, die bei all dem die Strippen ziehen und sich selbst durch Verträge mit Boni und —im Misserfolgsfall— Abfindungen vorab schon mal in Sicherheit bringen, haben sich bis heute weder entschuldigt noch sich dafür bedankt, dass nun der Steuerzahler für sie bürgen und geradestehen muss. Sie leben also nicht mit uns, sondern von uns.

5. Unklar bleibt: Was tut eigentlich ein Aufsichtsrat?

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(16.10.08) Einer der einschlägigen neoliberalen Wirtschaftsprofessoren meinte heute, es sei ein Fehler, wenn der Staat die Kapitalhilfen mit gewissen Auflagen hinsichtlich Einkünften und Gebaren der Banker verbinde. Die würden dann nämlich die Hilfen nicht in Anspruch nehmen und stattdessen der Industrie keine Kredite mehr geben. Er schien nicht zu bemerken, dass diese Theorie ein vernichtendes Urteil über die Banker enthält, denn sie setzt deren Gier und Unbelehrbarkeit als maßlos und unveränderlich voraus, so dass sie eher die Wirtschaft ruinieren als sich mäßigen würden. Wir nehmen's zur Kenntnis.

(17.10.08) Herr Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, gibt bekannt, dass er in diesem Jahr auf seine Boni verzichten will, "zugunsten verdienter Mitarbeiter, die das Geld nötiger haben als ich". Warum freut uns das jetzt nicht so recht? Vielleicht, weil es klar macht, dass selbst in einem Jahr wie diesem immer noch satte Boni gezahlt werden?

7.10.2008
T-Spam

Ich schrieb eine e-mail an die Telekom / T-online ...

Guten Tag,

Auf dem [t-online] e-mail Konto meiner Frau kommt ca. jeden 2. Tag folgende Nachricht an:

'Liebe Kundin, lieber Kunde,

der T-Online Postfachvirenschutz sorgt automatisch für den Schutz Ihres eMail-Postfachs vor Viren, Würmern und Trojanern. In der eMail mit den folgenden Daten wurde ein Virus gefunden und entfernt:

- Zeitstempel des Senders: Tue, 30 Sep 2008 15:37:15 +0200
- Betreff bzw. Subject der ursprünglichen Nachricht: Re: Re: Message
- Erkannter Virus, Wurm oder Trojaner: WORM/Netsky.D.Dam
- Adresse des Absenders*: infohotline-ausland@arbeitsamt.de

* Bitte beachten Sie, dass die Absender-Adresse häufig gefälscht ist, es sich i.d.R. also *nicht* um den Urheber der schadhaften eMail handelt.

Sicherheitsempfehlung: Um Ihren PC umfassend z. B. auch vor Webseiten mit schadhaftem Code und etwaige sonstige Postfächer vor Bedrohungen zu schützen, empfehlen wir Ihnen unser SicherheitsPaket: http://www.t-online.de/sicherheitspaket.'

Der Betreff und die Absenderadresse sind jeweils leicht verschieden, der Rest identisch; besonders der Virus ist immer derselbe und es passiert nur auf diesem einen Konto. Ich bin daher überzeugt, dass es sich dabei nicht um echte Viruswarnungen handelt, sondern dass sie von einem t-online-Server stammen und im Grunde Spam sind. Ich wäre dementsprechend dankbar, wenn Sie das abstellen könnten.

Mit freundlichen Grüßen


... und erhielt folgende Antwort:


Sehr geehrter Herr Metsch,

gerne beantworten wir Ihre Anfrage.

Postfachvirenschutz
Wir schützen Ihr Postfach jetzt noch besser vor Viren, Würmern und Trojanischen Pferden. Diesen Service bieten wir Ihnen für 0,00 €.

Der Postfachvirenschutz überprüft vollautomatisch alle in Ihr Postfach eingehenden E-Mails inklusive aller Dateianhänge auf dem Postfachvirenschutz bekannte schadhafte Codes, wie z. B. Viren, Würmer und Trojaner. Bevor die E-Mail in Ihr Postfach gelangt, wird diese ggf. gesäubert, d. h. der infizierte Bestandteil, wie z. B. der Anhang wird gelöscht. Mit Erhalt der gesäuberten E-Mail werden Sie sowohl in der Betreffzeile, als auch im Textfeld auf die Löschung von schadhaften Dateien hingewiesen. Gesäuberte E-Mails werden mindestens mit Angabe des Absenders und der Betreffzeile ausgeliefert. Falls möglich, wird die identifizierte Virenart genannt.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter der URL
www.t-online.de/postfachvirenschutz

Mit freundlichen Grüßen

Deutsche Telekom AG
Kundenservice
Service Center Technik


Hier handelt es sich um eine besonders interessante Variante des Turing-Tests: Werden e-Mails an die Deutsche Telekom überhaupt noch von einem Menschen gelesen oder nur von einer Maschine? Wenn es ein Mensch ist, wes Geistes Kind ist der dann? Und wenn es eine Maschine ist, was machen dann die Menschen? Ist der Satz "Ich arbeite bei der Telekom" ein Oxymoron? Als vor ein paar Tagen herauskam, dass schon 2006 die Datensätze von 17 Millionen Mobil-Kunden geklaut worden waren, meinte der Vorstandsvorsitzende Obermann, es sei "sehr ärgerlich". Ärgerlich, dass es passiert ist? Oder ärgerlich, dass man ihnen nach zwei Jahren draufgekommen ist und sie jetzt was tun müssen? Man könnte doch die Maschine beauftragen, an alle 17 Millionen eine Werbe-eMail für Handy-Verträge zu schreiben!

(Ach ja: der Antivirus-Spam hat natürlich nicht aufgehört.)

10.9.2008
Gerechtigkeit

Aus irgendeinem Grund brach in der Landespsychotherapeutenkammer-BW eine Diskussion über Beitragsgerechtigkeit aus. Daraufhin wurden die Mitglieder befragt, ob sie einem Modell A mit einem in drei Stufen gestaffelten Beitrag zustimmen, oder einem Modell B mit einer linearen Abhängigkeit des Beitrags von den Einkünften.

Immerhin 38% der Antwortenden waren für Modell B. Diese Lösung würde mindestens drei neue Angestellte zur Prüfung der Einkommensverhältnisse erfordern. Die Beiträge würden also steigen und die Mitglieder — ganz besonders wahrscheinlich die Gerechtigkeitsapostel — würden die Kammer mit bösen emails bombardieren, dass die Beiträge eine Sauerei seien und es keinen was anginge wieviel man verdient.

Ich werde mich unbeliebt machen, aber wer sich den Kammerbeitrag nicht leisten kann, soll seine Approbation zurückgeben, weil sie sich nicht lohnt.

In diesem Zusammenhang erliege ich auch umstandslos der Versuchung, aus einem Leserbrief zu zitieren, den ein Kollege "mit frustriertem Gruß" an die Kammer schrieb:

[...] Nachdem ich nun Mitglied im BDP bin, im VVPN, im Ärzteregister, im Medi-Verbund und nun — leider sehr unschön "zwangsverpflichtet" — in der LPK-BW kann ich sagen, dass meine Mitgliedsbeiträge in den oben genannten Interessensvertretungen festgelegt wurden und ich noch nie den Eindruck hatte, "ungerecht" behandelt worden zu sein! Lediglich bei der LPK-BW — der ich ja "zwangsverpflichtet" beitreten musste, habe ich von Anfang an das sehr ungute Gefühl, sehr ungerecht behandelt zu werden. Grund: die LPK-BW hat schon sehr eifrig von ihren Mitgliedern Beiträge eingezogen, da gab es in einigen der neuen Bundesländer noch überhaupt keine LPK! Wo war denn da meine nun von Ihnen in eine Diskussion gebrachte Beitragsgerechtigkeit?

Nach wie vor völlig unklar ist mir auch der Begriff der "Landespsychotherapeutenkammer"! Für mich stimmt der Begriff "Kammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ohne die ärztlichen Psychotherapeuten"! Wo ist denn hier die begriffliche Gerechtigkeit? [...]

Wie wir weiter unten schon festgestellt haben, muss das heißen
"Kammer der Psychologischen Psychotherapeutinnen und -psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten ohne die ärztlichen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten"!
Sonst isses nämlich schon wieder nix mit der begrifflichen Gerechtigkeit.

Und dann die "Zwangsverpflichtung"! Ja sowas aber auch! Ich würde da sogar noch einen Schritt weiter gehen und Zwangsnötigungsverpflichtung sagen. Am Ende reißt das noch ein, dass man als Pfarrer auch Kirchenmitglied sein muss.

Das Argument aber, dass in BW schon Beiträge eingezogen wurden, obwohl es in den neuen Bundesländern überhaupt noch keine Kammern gab, macht das Problem der Beitragsgerechtigkeit in seinem ganzen unsäglichen Ausmaß deutlich und ich schweige betreten.

12.06.2007
Leitsätze

Der 111. Deutsche Ärztetag, der vom 20.-23.5.2008 in Ulm tagte, beschloß das sogenannte 'Ulmer Papier'.

Dort heißt es gleich am Anfang, im 'Prolog':

Im Bewusstsein, dass das Gesundheitswesen keine Gesundheitswirtschaft oder Industrie ist, dass Ärzte keine Kaufleute und Patienten keine Kunden sind, dass Gesundheit und Krankheit keine Waren und Wettbewerb und Marktwirtschaft keine Heilmittel zur Lösung der Probleme des Gesundheitswesens sind, dass Diagnose und Therapie nicht zum Geschäftsgegenstand werden dürfen, beschließt der 111. Deutsche Ärztetag die gesundheitspolitischen Leitsätze der Ärzteschaft, das "Ulmer Papier".

Ich notiere das hier nur. Wir werden's wahrscheinlich bald wieder brauchen, um es ihnen um die Ohren zu hauen, wenn sie das Bewusstsein verlieren.

20.12.2007
Tollhaus

Ich bin ein völliger ökonomischer Laie, und so langsam denke ich, dass ich das mit verschiedenen Wirtschaftsprofessoren, Politikern und Vertretern der Ärzteschaft gemeinsam habe.
Die einfache Beobachtung scheint aber zu zeigen, dass der sogenannte 'Wettbewerb', global und lokal, darum geht, wer's am billigsten und nicht wer's am besten macht.

Nun hat die AOK Baden-Württemberg die 'hausarztzentrierte Versorgung' ihrer Versicherten ausgeschrieben. In derselben Weise, wie ein Konzern einen Bauauftrag ausschreibt. Es bewarben sich u.a.: die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg, die Kassenärztliche Vereinigung Bayern, der Hausärzteverband, MEDI (ein Ärztebund), und die Software-Firma MedatiXX GmbH & Co KG.

Die Ärzteschaft erhofft sich bessere Einkünfte. Die Krankenkasse erhofft sich, dass es billiger wird. Es ist alles irgendwie sehr, sehr seltsam.

"Man kann nicht wissen", notierte Georg Christoph Lichtenberg, "ob man nicht jetzt im Tollhaus sitzt". Nein, man kann es wirklich nicht wissen, es wird aber immer wahrscheinlicher.

17.12.2007
Inanspruchnahmeniveau

Der diesjährige Gesundheitsreport der Gmünder Ersatzkasse (GEK) befasst sich mit dem Schwerpunktthema 'ambulante Psychotherapie' und kommt unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

Die von der Genehmigung einer Psychotherapie innerhalb einzelner Kalenderjahre betroffene Bevölkerung stieg von 2000 bis 2006 kontinuierlich von 5,5 auf 8,8 Betroffene je 1.000 Versicherte und damit innerhalb von 7 Jahren um 61%. (S.19)

Da werden wir schon hellhörig, weil es uns noch nie aufgefallen ist, dass man von solchen Genehmigungen betroffen wird. Ob's dafür wohl schon eine Selbsthilfegruppe gibt? Aber weiter:

Das Niveau der Inanspruchnahme bei Personen mit genehmigter Psychotherapie liegt sowohl vor als auch mittelfristig nach der Genehmigung einer Psychotherapie erheblich über einem geschlechts- und altersentsprechendem [sic] Erwartungswert und damit über Inanspruchnahmen in einer "gewöhnlichen", ansonsten unselektierten, Versichertenpopulation. Eine Annäherung des Inanspruchnahmeniveaus ist nach den vorliegenden Ergebnissen nicht absehbar. (S.27)

Das soll heißen, dass Psychotherapie nicht funktioniert, weil die Patienten auch nach einer Psychotherapie mehr oder weniger genau so oft zum Arzt gehen wie vorher ("Inanspruchnahmeniveau"). Und zwar, wie der Report auf S.7 ausführt, durchschnittlich 17,1 mal pro Jahr und pro Kopf der Gesamtbevölkerung. 2006 waren's noch 16,3 mal (auch das war schon Weltrekord).

Fassen wir zusammen:

• 0,88 Prozent der Bevölkerung sind 'betroffen'. Das sind 61% mehr als 0,55 Prozent der Bevölkerung. Ein zugegebenermaßen gewaltiger Anstieg, der noch wesentlich beeindruckender ist als z.B. der von 0,0004% auf 0,0006%.
• Gesund ist, wer nicht zum Arzt geht.
• Wir gehen durchschnittlich 17,1 mal und sind demnach sterbenskrank. Auch die ärztliche Versorgung funktioniert also nicht! Ohmeingott.

Es war bestimmt nicht billig, das herauszufinden, aber was tut man nicht alles mit dem Geld seiner Beitragszahler.

8.12.2007
Neidgesellschaft

Neid ist eigennützig und habgierig: ich will haben, was der andere mehr hat.
Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Neid und Fairness. Von 'Neidgesellschaft' reden dann diejenigen, denen Fairness ebenso unbekannt wie Habgier geläufig ist.

Wenn dieselben Leute, die Millionen an Prämien und Abfindungen einstreichen ohne diese der Allgemeinheit in irgendeiner Form wieder zukommen zu lassen, verlangen, dass ihre Mitmenschen Jobs annehmen, von denen sie nicht leben können, dann ist das Aufbegehren dagegen keine Frage des Neids, sondern eine des Anstandes.

Warum nur die Manager? Warum nicht auch die Sportler und Schauspieler, die Millionengagen kassieren? Weil die Sportler und Schauspieler ihr Geld nicht damit verdienen, dass sie von anderen den Anstand einfordern, der ihnen selbst fehlt.

S. dazu auch: A Private Equity Tycoon

25.11.2007
Grüne

Die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe (manche kapieren's wirklich nie!) griffen ein Thema des Deutschen Ärztetages 2006 wieder auf und wollten durchsetzen, dass die Psychotherapeutenkammer-NRW so nicht heißen darf, sondern 'Kammer für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeuten' heißen muss, weil ja schließlich auch Ärzte Psychotherapie machten undsoweiteradnauseam. (Die Ärztekammern behandeln die ärztlichen Psychotherapeuten derart schäbig, dass die kaum noch wahrgenommen werden, und dann kriegen sie ein Gerechtigkeitsgefühl und wollen dasselbe mit uns machen. — Aber das nur am Rande).

Es ging also vor den Ausschuss im nordrhein-westfälischen Landtag. Und was machen die Grünen? Ahnen Sie es schon? Genau! Sie bestehen darauf, dass laut Landesgleichstellungsgesetz auch die weibliche Form zu verwenden sei und es also heißen muss:

Kammer für Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten und Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -therapeuten.

Was ist bloß mit euch los, ihr Hampelfrauen und -männer? Gut, wir waren früher alle eher subdepressiv, intolerant und verstockt, aber bei euch scheint sich seitdem nicht viel getan zu haben.

Jedenfalls machte der Landesarbeitsminister dem Wahnsinn ein Ende und beschied, dass der Name Psychotherapeutenkammer-NRW bleibt.

Dieselbe hatte übrigens ganz zu Recht darauf hingewiesen, dass man es schließlich auch hinnehme, wenn Psychotherapeuten im Namen der Kassenärztlichen Vereinigung nicht genannt werden. Und wenn man da jetzt die Grünen auch noch dran ließe, hieße das:

Vereinigung der Kassenärztinnen und -ärzte, Psychologischen Kassenpsychotherapeutinnen und –psychotherapeuten und Kassen-Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und –psychotherapeuten.

19.11.2007
CDU-Fraktion

Der baden-württembergische Landtag verabschiedete eine Änderung des Landeskrankenhausgesetzes. Dazu war vorab von der SPD und der Landespsychotherapeutenkammer moniert worden, dass Psychotherapeuten seit 1999 ein approbierter Heilberuf sind und es deshalb nicht geht, dass Krankenhausberichte nur an Ärzte versandt, und Unterlagen über Patienten, die der Klinik zugeschickt werden, nur an Ärzte ausgehändigt werden dürfen.

Die CDU-Fraktion lehnte ab und zwar mit der Begündung, man müsse dann auch jede andere am Krankenhaus tätige Berufsgruppe berücksichtigen.

Entweder wissen die also nicht, was eine Approbation ist, oder sie wissen nicht, dass wir approbiert sind. Und vielleicht lassen wir uns seit so vielen Jahren von der CDU regieren, weil die einfach nix mitkriegen und wir derweilst in Ruhe 'schaffen' können. (Ich habe jedenfalls alle Krankenhausberichte, die ich angefordert habe, auch bekommen.)

12.11.2007
Gesundheitssiegel

Projekt 'Ambulante Qualitätsindikatoren': Das Geld soll der Qualität folgen.
"Patienten sollen wissen, welcher Arzt gute Qualität liefert und welcher nicht", sagt KBV-Vorstand Dr. med. Andreas Köhler. Deswegen soll es ein Siegel geben.

Unter dieser Überschrift führt das Deutsche Ärzteblatt PP folgendes aus:

"Das deutsche Gesundheitssiegel wird künftig das Erkennungszeichen für gute medizinische und psychotherapeutische Versorgung in Deutschland sein", kündigte der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. med. Andreas Köhler bereits im Mai 2005 an. Ursprünglich sollten nur diejenigen niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten das Siegel erhalten, deren Praxen ein Qualitätsmanagement [...] durchlaufen haben und im Anschluss daran zertifziert wurden.
[...]
Die Zertifizierung allein wird aber nicht ausreichen. Die KBV will die Siegelvergabe an den Nachweis weiterer Qualitätsanforderungen binden. Zu dieser könnten in einer späteren Phase auch Qualitätsindikatoren gehören. [...] „Das Siegel soll Garant für gute Qualität sein und dem Patienten vermitteln: meine Erwartungen werden erfüllt“, beschreibt [Dr. med. Franziska] Diel [Leiterin der Abteilung Qualitätsmanagement bei der KBV] den Sinn des neuen Gütezeichens.

Und hier ist es. Das Deutsche Gesundheitssiegel. Schön auf kupferfarbenem Papier. Selbstklebend, wahrscheinlich.

gesundheitssiegel

Manchmal bin ich so müde. Ich möchte dann einfach irgendwo still hinsitzen und ein bißchen weinen und vielleicht ein bißchen am Daumen lutschen und einfach warten, bis das alles vorbeigeht.

Ach was. Nix da. Auf geht's: 'Das Geld soll der Qualität folgen'. Ja, das soll es. Tut es aber nicht. Auch nicht, wenn ich ein Qualitätspickerl mit Zackenrand kriege. Und was soll denn das heißen: 'Das Siegel soll Garant für gute Qualität sein und dem Patienten vermitteln: meine Erwartungen werden erfüllt'? Haltet ihr meine Patienten für blöde, oder was? Können die nicht selber entscheiden, ob sie sich bei mir gut aufgehoben fühlen? Geht das besser mit Aufkleber? 'Hier handelt es sich um einen funktionsgeprüften Therapeuten in eins-a Zustand'. Bin ich ein gottverdammter Toaster?! Das kommt davon, wenn man außer von Apparatemedizin von nix eine Ahnung hat. Da kann's schon mal passieren, dass man Psychotherapeuten mit irgendwelchen Geräten verwechselt.

8.7.2007
Gore

Brauchen wir Al Gore, der uns sagt, dass die globale Erwärmung eine Katastrophe ist?
Brauchen wir ein 24-stündiges weltumspannendes 'Live Earth' Konzert-Marathon, wo wahrscheinlich alleine die Bühnenbeleuchtung schon wieder ein halbes Grad draufheizt?
Brauchen wir Madonna —oder überhaupt irgendjemanden aus den 5 Prozent der Weltbevölkerung, die es sich selbstverständlich herausnehmen, mehr als 25 Prozent der Energie zu verpulvern— um uns jetzt einen 'global wake-up-call' zu überbringen?

Wenn ja, dann sind wir so bescheuert, dass es nicht helfen wird.
Ist eh zu spät, weil die Chinesen mit den Sauereien erst so richtig angefangen haben, und bei denen war kein Konzert!
Das 21. Jahrhundert, meinte Helmut Schmidt neulich in einem Interview, werde schlimmer als das 20. Der hat gut reden.
6.7.2007
Huris

Psychology Today —wo man ja nie so genau weiß, ob es ein Fachblatt oder ein Lachblatt sein soll— klärt uns diesen Monat darüber auf, warum fast alle Selbstmord-Attentäter junge, männliche Moslems sind: Kein Sex. Wenn die Hälfte der Männer zwei Frauen hat, haben die restlichen 50 Prozent gar keine; die werden dann mürrisch, unfroh und homizidal. Und wenn sie dann noch so unterbelichtet sind, dass sie glauben, im Jenseits warteten 72 Huris, nimmt das Verhängnis vollends seinen Lauf.

Da könnte man doch vielleicht Abhilfe schaffen: Huris auf Erden und den Mannen ein Wohlgefallen. Müssen ja nicht gleich 72 sein. Eine pro Nase tät's auch schon. Vielleicht können die Haremsbesitzer mal ein bißchen kürzer treten.

Copyright © Hans Metsch