Psychotherapeutische Praxis
Hans Metsch, Dipl.Psych.
Fragen und Antworten
(In den folgenden Abschnitten wurde aus Gründen der Lesbarkeit die einfachere männliche Form gewählt. Selbstverständlich sind aber immer beide Geschlechter gemeint.)


Was ist der Unterschied zwischen Psychoanalyse und Verhaltenstherapie?

Die Psychoanalyse geht davon aus, daß viele Konflikte durch verdrängte, also unbewußte und nicht anerkannte Bedürfnisse, Triebe oder andere unbewußte psychische Vorgänge entstehen, und behandelt sie durch das analytische Verfahren, bei dem die Arbeit an Widerständen und die spezifische therapeutische Beziehungsform von Übertragung und Gegenübertragung eine große Rolle spielen.

Die Verhaltenstherapie konzentriert sich auf den ebenso grundlegenden Umstand, daß unser Verhalten zu einem sehr großen Teil gelernt ist und deshalb bestimmten naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten unterliegt, die man als 'Lerngesetze' bezeichnet. Diese beschreiben und erklären, wie Verhaltensweisen erlernt und auch verlernt werden.

In allen Formen der Psychotherapie umfasst dabei der Begriff 'Verhalten' nicht nur das äußere Handeln einer Person, sondern auch bestimmte innere Verhaltensweisen, also z.B. zwanghafte Gedanken, bestimmte Gefühle und Emotionen, Einstellungen und Haltungen. Ebenfalls zum Verhalten in diesem weiteren Sinne gehören körperliche und psychosomatische Beschwerden (s.o.), denn auch der Körper verhält sich nicht nur durch Bewegung und Handlungen, sondern auch durch seine inneren Prozesse, wie z.B. die Verdauung, die Blutdruckregulierung oder das Immunsystem.
Die meisten dieser Vorgänge können durch Lernprozesse im Negativen (bei der Entstehung der Symptomatik) wie im Positiven (bei der Therapie) beeinflusst werden, und zwar auch dann, wenn wir diese Vorgänge im Einzelnen gar nicht bemerken.



"Kann man psychische Erkrankungen nicht auch mit Medikamenten behandeln? Man liest manchmal, daß Psychotherapie eigentlich sogar unnötig ist, weil die Medikamente besser wirken."

Es steht völlig außer Frage, daß Medikamente auch bei psychischen Störungen hilfreich sind. Bei Psychosen etwa stellen sie zunächst das Mittel der Wahl dar. Bei anderen Störungen hat sich eine Kombination aus Psychotherapie und Pharmaka als die beste Methode erwiesen. Oft kann aber auf Medikamente auch ganz verzichtet werden.
Ihr Psychotherapeut wird die Frage der Medikation mit Ihnen besprechen. Wenn er selbst Arzt ist, wird er Ihnen ggf. die Medikamente auch verschreiben, ansonsten wird das in Zusammenarbeit mit Ihrem Haus- oder Facharzt geschehen.

Pharmafirmen (und andere Unternehmen der Medizintechnik) geben große Beträge aus, um uns einzureden, daß Psychotherapie eines Tages durch Medikamente (oder Gentherapie oder vielleicht sogar bionische Implantate) völlig ersetzt werden kann.
Wenn das geschähe, dann würde damit auch die Dimension des Wortes und der geistig-seelischen Auseinandersetzung aus der Heilkunde verschwinden und die Menschen wären damit eines Teils ihres Ureigensten beraubt. Medikamentöse (und andere medizinische) Heilverfahren leisten Hervorragendes. Aber eine menschliche Heilkunde darf darauf nicht beschränkt werden.



"Mein Hausarzt macht Dienstag nachmittags auch Psychotherapie und sagte, er könne das bei mir gleich mitmachen."

Psychotherapie ist keine medizinische Technik, sondern ein separater Zweig der Heilkunde. Es gibt dafür Fachpsychologen, Kinder-/Jugendlichenpsychotherapeuten und Fachärzte. Andere Ärzte, die aufgrund alter Zulassungsregeln durch einen sogenannten Zusatztitel auch Psychotherapie durchführen dürfen, werden sich, wenn sie Psychotherapie ernst nehmen, früher oder später entscheiden, ob sie weiterhin z.B. als Hausärzte tätig sein oder aber ihren Tätigkeitsschwerpunkt auf die Psychotherapie verlegen wollen.
Wenn jemand "Dienstag nachmittags" Psychotherapie macht, nimmt er sie nicht ernst.